Seit 150 Jahren gibt es den Meckesheimer Bahnhof – Eine Bau- und Kriegsgeschichte

Wie jedermann sehen kann, ist der Bahnhof Meckesheim ein kleiner Bahnhof. Aber er ist ein Eisenbahnknotenpunkt in Nordbaden. Er liegt an der Bahnstrecke Neckargemünd–Bad Friedrichshall. Das ist die Elsenztalbahn.

Elsentzal-, Schwarzbachtal- und Wieslocher Bahn

In Meckesheim zweigt  aber auch ein Gleis nach Aglasterhausen ab. Das ist die Schwarzbachtalbahn.

Bis 1990 zweigte noch eine Nebenbahn über Schatthausen nach Wiesloch Stadt sowie zum Bahnhof Wiesloch-Walldorf ab. Das war die Wieslocher Bahn.

Aus der Geschichte

Schauen wir zurück ins 19. Jahrhundert, als Friedrich I. (1852 bis 1907) in Baden Großherzog war. Er hatte bei seinem Regierungsantritt das Glück auf seiner Seite. Warend doch die innenpolitichen Schwierigkeiten wegen der Badischen Revolution von 1848/49 ab 1850 größtenteils beigelegt. Die Eisenbahnstrecke von Mannheim nach Heidelberg konnte  weiter ausgebaut werden, und zwar nach Karlsruhe, Offenburg, Freiburg, ja bis Basel. Und später dann von dort bis nach Konstanz. Dadurch erhielten Handel und Verkehr in Baden einen unglaublichen Schub.

Von Heidelberg aus wurde ebenfalls eine Bahn gebaut, und zwar über Neckargemünd, Meckesheim und Sinsheim nach Heilbronn. Während der Regierungszeit Friedrichs I. wurde der Meckesheimer Bahnhof gemeinsam mit dem Streckenabschnitt von Neckargemünd bis Meckesheim eröffnet. Es war ein festlicher Tag, dieser 23. Oktober 1862. Ein Feiertag für Meckesheim  und die Elsenztalgemeinden, aber natürlich auch für die  Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnen. Die Strecke Neckargemünd – Meckesheim war jetzt Teil der badischen Hauptbahn von Heidelberg nach Mosbach. Nun konnte man von Meckesheim aus mit der Bahn nach Heidelberg und Heilbronn fahren. Ein unglaublicher Fortschritt, den wir heute kaum noch richtig ermessen können. Jetzt konnten Vieh und landwirtschaftliche Produkte von Elsenz und Lobbach in die Zentren transportiert und dort verkauft werden.

Der deutsche „Bruderkrieg“ stoppt den Bahnbau

Der weitere Ausbau der Bahnstrecken wurde allerdings durch den „Bruderkrieg“ von 1866 zwischen Preußen und Österreich gestört. Ursache des Streits zwischen den Preußen und Österreichern war die Verwaltung der Provinzen Schleswig und Holstein, die man zuvor im Krieg von 1864 den Dänen abgeluchst hatte. Ja, Schleswig-Holstein war einmal dänisch. Der „eiserne“ preußische Kanzler Bismarck setzte auf eine militärische Lösung gegen die Österreicher. Im Krieg stand das Großherzogtum Baden auf der Seite der Österreicher gegen die Preußen. Hätten die Österreicher nur gewonnen! Die historische Linie von Bismarck über Kaiser Wilhelm II. zur nationalsozialistischen Diktatur Hitlers hätte sich nicht entwickelt. Aber: Die Preußen gewannen den Krieg und schlugen die Badener bei Hundheim. Hundsheim liegt bei Wertheim im Nordosten von Baden-Württemberg. Nach der Niederlage von Hundsheim mussten die Badener den Rückzug antreten. Beim Gefecht von Hundsheim waren auch Meckesheimer und Mönchzeller beteiligt.

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Gefecht von Hundsheim, 1866.

Es wird weitergebaut

Nach dem Krieg von 1866 wurde an den badischen Bahnen weitergebaut. Der Teilabschnitt von Meckesheim nach Bad Rappenau folgte zum 25. Juni 1868.

Die Strecke Meckesheim–Neckarelz wurde als Verlängerung der Strecke Neckargemünd–Meckesheim ebenfalls noch im Jahr 1862 eröffnet. Dadurch wurde Meckesheim zu einem Umsteigebahnhof.

Auf dem Platz der heutigen Bushaltestelle stand ein sogenanntes Wasserhaus, aus dem das Wasser für die Dampfloks entnommen wurde. Der Bahnbau selbst und schließlich die Inbetriebnahme der Bahn ab 1862 brachten weitreichende Veränderungen für Meckesheim mit sich. Bis 1874/75 waren Post und Bahn eins. Danach trennten sich geschäftlich und räumlich der Postdienst und der Eisenbahndienst auf der Station Meckesheim. Übrigens: Karl-Bühler, der Namensgeber der örtlichen Schule, erblickte 1879 im Bahnhofsumfeld das Licht der Welt. Sein Vater stand in Diensten der Bahn und die Familie bewohnte das sogenannte Bahnwohnhaus.

Krieg gegen Frankreich

Nachdem Preußen die großdeutsche Lösung mit Österreich durch seinen Sieg gegen die kleindeutsche Lösung ohne Österreich ausgetauscht hatte, verfolgte es diese als nunmehr einzige deutsche Führungsmacht beharrlich. Bismarck manövrierte die deutschen Staaten geschickt in den Krieg gegen die Franzosen, den Frankreich als Angreifer erklärte. Die süddeutschen Staaten schlossen sich Preußen an und erklärten Frankreich den Krieg. Die badischen Truppen, zu denen viele Meckesheimer und Mönchzeller gehörten, kämpften vor Straßburg und im Dezember 1870 und Januar 1871 vor Belfort. Sie verhinderten den Einfall einer 140.000 Mann starken französischen Armee bei Basel nach Deutschland.

BelfortZitadelle.jpg

Zunächst widerstanden die französischen Truppen 103 Tage lang der Belagerung durch die Preußen und Badener.Am 16. Februar 1871  wurden dann aber Festung und Stadt den deutschen Truppen übergeben. Die Festung teilweise schleiften. Durch seinen Widerstand wurden Belfort und seine Zitadelle zu einem bekannten Symbol des französischen Freiheits- und Kampfeswillens. Im Frieden von Frankfurt 1871 wurde das Gebiet um Belfort, obwohl historisch zum Oberelsass gehörig, nicht wie das übrige Elsass und Teile Lothringens vom Deutschen Reich annektiert, „weil der Sieger im Siege Mäßigkeit an den Tag legen muss“ (Graf Moltke).

Bei Dijon und Nuits erlitten die badischen Truppen starke Verluste. Doch die französischen Truppen wurden zurückgeschlagen und in die Schweiz getrieben, wo sie entwaffnet wurde. Wie Zimmermann in seiner Ortschronik von 1937 berichtet, starb der letzte „Meckesheimer Kämpfer“, Georg Fabian, am 1. Dezember 1932. Zum Gedenken an diesen Krieg wurde ein Kriegerdenkmal neben der evangelischen Kirche aufgestellt.

KriegerdenkmalMeckesheim.jpg

Nach dem Deutsch-Dänischen und dem Deutschen Krieg von 1864 und 1866 gilt der Konflikt mit Frankreich als dritter und letzter der deutschen Einigungskriege. Noch während seines Verlaufs trat Baden mit Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Norddeutschen Bund bei, der sich mit Wirkung vom 1. Januar 1871 Deutsches Reich nannte. Der preußische König Wilhelm I. nahm den Titel „Deutscher Kaiser“ an. Otto von Bismarck wurde erster Reichskanzler. In Frankreich hatte der Krieg nicht nur die endgültige Abschaffung der Monarchie zur Folge. Vor allem der Verlust Elsaß-Lothringens erzeugte einen dauerhaften, gegen Deutschland gerichteten Revanchismus. In Deutschland wiederum verfestigte sich die Vorstellung von der so genannten Erbfeindschaft gegenüber Frankreich. Beides belastete die deutsch-französischen Beziehungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Neue Bahnstrecke Meckesheim – Wiesloch

Am 14. Mai 1901 wurde die 19 km lange Strecke von Wiesloch-Walldorf über Wiesloch Stadt nach Meckesheim an der Elsenz eröffnet, die eine Querverbindung von der Rheintalbahn zur Elsenztalbahn Heidelberg–SinsheimHeilbronn herstellte.

Erster Weltkrieg

Dem Deutsch-Französischen Krieg folgten 43 Friedensjahre, in denen Meckesheim prosperierte. Dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 folgten 43 Friedensjahre, in denen Meckesheim prosperierte. Frankreich hatte an das Deutsche Reich Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Francs zu leisten. Diese waren einer der Auslöser des Booms der Gründerzeit. Unter anderem wurden mit ihnen Infrastrukturmaßnahmen im ganzen Deutschen Reich finanziert (Bahnhöfe, Poststationen, Kirchen und Schulen sind heute noch sichtbare Zeichen). Die französische Wirtschaft wurde durch das Aufbringen der Reparationen in ihrer Entwicklung gebremst. Das Deutsche Reich wurde in der Folge die größte Binnenvolkswirtschaft der Welt. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, in den 261 Meckesheimer ziehen mussten. „Wie ein Blitz von heiterem Himmel, so wurden im August 1914“ die wehrfähigen Meckesheimer Männer zum Heer einberufen (Zimmermann). 36 Meckesheimer starben im Ersten Weltkrieg. Als vermisst wurden 8 Meckesheimer gemeldet.

Wirtschaftskrise: Schatthausener Bahnstrecke wird stillgelegt

Durch die Wirtschaftskrise in den 20er Jahren der Weimarer Republik wurde die Teilstrecke Schatthausen–Meckesheim der Nebenbahn Wiesloch–Meckesheim bereits 1922 wieder stillgelegt.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg forderte Todesopfer

Am 24. März 1945 wurde von den Alliierten ein Luftangriff auf den Bahnhof geflogen. Hierbei kamen mehrere Menschen ums Leben  und der Bahnhof wurde zerstört. Zum Gedenken an die bei der Zerstörung ums Leben gekommenen Menschen wurde auf dem Bahnsteig zu Gleis 1 ein Gedenkstein errichtet.

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Am 25. September 1971 wurde der Abschnitt Aglasterhausen–Obrigheim der Schwarzbachtalbahn stillgelegt. Zur selben Zeit wollte die Deutsche Bundesbahn, auch die verbliebene Reststrecke Meckesheim–Aglasterhausen stillzulegen. Zum 1. Januar 1982 übernahm dann aber die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SWEG) diesr Strecke von der Bundesbahn mittels eines auf 20 Jahre ausgelegten Pachtvertrages.

Zum Mai 2007 wurden einige Verbindungen auf Busverkehr umgestellt; wegen Personalmangels wurde an Wochenenden und Feiertagen ab August 2007 der Abschnitt von Meckesheim nach Aglasterhausen ebenfalls nicht mehr auf der Schiene, sondern mit Bussen bedient. Ab dem 1. August 2009 ruhte der komplette Personenverkehr auf der Bahnstrecke nach Aglasterhausen. Es wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Im Zuge der Aufnahme der Elsenz- und Schwarzbachtalbahn in das Netz der S-Bahn RheinNeckar wurde der Bahnhof Meckesheim sowie die gesamte Elsenz- und Schwarzbachtalbahn komplett modernisiert und elektrifiziert. Im Dezember 2009 wurde die neue Linie S5 von Heidelberg aus über die Elsenztalbahn nach Sinsheim beziehungsweise stündlich weiter über dieBahnstrecke Steinsfurt–Eppingen nach Eppingen in Betrieb genommen.

Die ebenfalls für den  Dezember 2009 vorgesehene Eröffnung der Linie S51 (Heidelberg–Meckesheim–Aglasterhausen) wurde aufgrund des strengen Winters 2009/10 erst im Juni 2010 eröffnet.

Anfang 2015 wurde die Station von der Bahnhofskategorie 5 zur Kategorie 4 heraufgestuft.

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 Bahnsteig in Meckesheim

Alle dreißig Minuten nach Heidelberg

Der Bahnhof Meckesheim wird stündlich von der Linie S5 (Heidelberg–Neckargemünd–Meckesheim–Sinsheim–Eppingen) bedient. Hinzu kommt die ebenfalls stündlich verkehrende Linie S51 (Heidelberg–Neckargemünd–Meckesheim–Waibstadt–Aglasterhausen), welche vereinzelt in Meckesheim beginnt beziehungsweise endet. Durch die Überlagerung der Linien S5 und S51 ergibt sich auf dem Abschnitt Heidelberg–Meckesheim ein 30-Minuten-Takt. In den Hauptverkehrszeiten werden beide S-Bahn-Linien im Abschnitt Meckesheim–Aglasterhausen bzw. Heidelberg–Sinsheim auf einen Halbstundentakt verdichtet. Ebenfalls werden einzelne S-Bahn-Triebwagen über Heidelberg hinaus bis nach Mainz durchgebunden. Dies geschieht in einem Vorlaufbetrieb, da die S-Bahnen aus dem Elsenz- und Schwarzbachtal voraussichtlich ab Dezember 2017 regulär bis nach Mainz durchgebunden werden sollen. Des Weiteren verkehrt im Zweistundentakt ein Regional-Express der Linie RE 2 (Mannheim–Heidelberg–Meckesheim–Sinsheim–Heilbronn).
  • RE 2 Mannheim – Heidelberg – Meckesheim – Sinsheim – Bad Friedrichshall – Heilbronn
  • S5 Heidelberg – Neckargemünd – Meckesheim – Sinsheim – Steinsfurt – Eppingen
  • S51 (Heidelberg – Neckargemünd –) Meckesheim – Waibstadt – Neckarbischofsheim Nord – Aglasterhausen

Drei Bahngleise

Der Bahnhof Meckesheim besitzt drei Bahnsteiggleise. Gleis 1 liegt am Hausbahnsteig. Es dient den in Meckesheim beginnenden und endenden S-Bahnen der Linie S51 Richtung Aglasterhausen. Die Gleise 2 und 3 teilen sich einen Inselbahnsteig. Gleis 2 dient den Zügen in Fahrtrichtung Heidelberg/Mannheim, Gleis 3 denen Richtung Eppingen/Heilbronn/Aglasterhausen.

dreibahngleise

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