Die vier Meckesheimer Erbbestandsgüter

Erbbestandsgüter waren in der frühen Neuzeit erbliche Pachtgüter. Man nannte sie deshalb auch Lehn- und Erbbestandsgüter. Sie waren quasi erbliche Lehen. Man könnte sie mit der heutigen Erbpacht vergleichen.

Hierzu ist wichtig zu wissen, dass bis zur Bauernbefreiung Anfang des 19. Jahrhunderts nur sogenannten freieigene Bauern Eigentum im heutigen Sinne an ihren Höfen hatten. Nur freieigene konnten ihre Höfe zu Lebzeiten übertragen oder von Todes wegen vererben. Gerade die Meckesheimer Landwirte sollen im Unterschied zu den Bauern der umliegenden Orte in diesem Sinne frei gewesen sein. Dies wäre ein interessantes Forschungsfeld, das noch nicht aufgearbeitet ist.

Ansonsten gab es in den fast 1500 Jahren, die der fränkischen Landnahme folgten kein freies Erbrecht für die Bauern. Das brachte erst die Bauernbefreiung, wobei die Bauern das von ihnen bewirtschaftete Gut für teures Geld von den Grundherren ablösen mussten. Sie zahlten bis zum 25fachen der bisherigen jährlichen Abgaben. Sie hatten nur ein Nutzungseigentum, während der Grundherr das Obereigentum hatte. Letztlich war der Grundherr der Eigentümer und die Bauern nur abgabenbelastete Nutzungsberechtigte. Die Meckesheimer Erbbestandsgüter dürften in ähnlicher Form im Obereigentum der Kurpfalz gestanden haben. Der Nutzungsbesitz war aber vererblich. So etwa könnte es gewesen sein. Wenn hier jemand nähere Informationen besitzt oder mir Literaturhinweise geben kann, wäre ich dankbar. Ich betrachte die Erbbestandsgüter vorerst als eine besonders günstige, nämlich vererbbare, „Pachtform“.

In Meckesheim sind aus dem Jahr 1556 vier solcher Lehn- oder Erbbestandsgüter bekannt. Es handelte sich um große Höfe, die eigentlich der Kurpfalz gehörten, aber wie ein erbliches Lehen vererbt werden konnten.

Es waren dies der

  • Kollmarhof
  • Propsteihof
  • Nonnenhof
  • Frohnhof

Der Kollmarhof

umfasste 85 Morgen Äcker und 12 Morgen Wiesen. Man sprach bei diesem Flächenmaß von Morgen, weil man mit einem Ochsengespann die Fläche von einem Morgen an eben einem Morgen pflügen konnte.

MunserKollmarhof

Zu den Maßen:

  • 1 badischer Morgen entspricht heutigen 36 Ar bzw. früher 160 Ruten
  • 1/4 Morgen = 9 Ar = 40 Ruten
  • 1 Rute = 22,5 Quadratmeter
  • 10 Ruten = 225 Quadratmeter
  • 20 Ruten = 450 Quadratmeter, was einem heutigen Bauplatz enspricht
  • Demnach enspricht 1 Morgen der Fläche eines Fußballplatzes.

Der Pächter des Kollmarhofes war 1656 Johann Samuel Pletscher. Nach seinem Tod übernahmen seine beiden Söhne den Hof. Die Hofstelle war dort, wo sich 1937 das Anwesen Heinrich Kirsch befand. Es handelt sich beim Kollmarhof um die heutige Bahnhofstraße  15.

Der Nonnenhof

war nur ein Viertel so groß wie der Kollmarhof. Er hatte 21 Morgen Äcker und Wiesen. Der Pächter  war 1656 Johann Valentin Kolb. Der Hof befand sich auf dem Anwesen, das 1937 K. Guckenhahn gehörte (davor der Familie Kilian), und zwar in der Luisenstraße 1. Es handelt sich um das rote Haus direkt am Kreisel  in der Bildmitte. Für besser Bilder wäre ich sehr dankbar. Der Name Nonnenhof könnte – wie andernorts – darauf hindeuten, dass hier einmal Ordensfrauen in einer kleinen klösterlichen Einheit wirkten, was aber durch Quellen nicht belegbar ist.

Luisenstraße1 Die heutige Gärtnerei Klingmann  in der Friedrichstraße wurde erst später von Familie Guggenhahn gekauft.

Der Propsteihof

mit seinen 18 Morgen Äcker und Wiesen war das kleinste Erbbestandsgut in Meckesheim. Er befand sich auf dem Wohnplatz des Leonhard Heid im Jahre 1937 (Schafhaus).

Fotos: Nicole

Der Propsteihof stand früher in der Kettengasse 2, heute Krieger. Der Propsteihof war der Wohn- und Amtssitz des PropstesPropst ist ein Titel innerhalb der Organisation der christlichen Kirchen. Er entstand aus lateinisch praepositus, über mittellat. propostus „Vorgesetzter“. Das Vorhandensein des Propsteihofes deutet auf eine zentrale katholische Pfarrei in Meckeshem hin, die meist erst im 20. Jahrhundert mit dem Titel einer Propstei hervorgehoben wurde. Die Propsteikirche (ecclesia praeposita) ist in diesen Fällen Hauptkirche einer Stadt und Region und/oder besitzt besondere historische Bedeutung. Zu unterscheiden sind bischöflich und päpstlich (durch Breve) errichtete Propsteikirchen. Für Meckesheim ist das noch nicht geklärt.

Der Frohnhof

wurde auch Ochsenhof genannt, weil auf dem Hof die Gemeindefarren gehalten wurden.
Er war das zweitgrößte Erbbestandsgut in Meckesheim und umfasste 68 Morgen Äcker und Wiesen, also 34 Fußballfelder. Er war da, wo 1937 das Haus von Karl Kern (davor Schuhmann und Ganzhorn) stand. Dieser Hof war vom Zehnten befreit.

Fotos: Nicole

Der Fronhof befindet sich in der heutigen Leopoldstraße und gehört heute Gerhard Kern und hat mit dem Gasthaus „Zum Goldenen Ochsen“ in der Bahnhofstraße nichts zu tun.

Die Felder

dieser Höfe lagen in allen Fluren zerstreut. Z.B. im Siebenhölzerflur, im Schatthäuser- und Eschelbronnerflur. Später wurden die Felder von diesen Höfen aufgeteilt, verkauft, z.T. auch wieder verpachtet. 1937 hatte die meisten die katholische Kirchenschaffnei sowie die evangelische Pfleg Schönau in Besitz. Der Flurname Hofäcker kommt aus dieser Zeit der Erbbestandsgüter.

Das Pfarrgut

Außer den vier großen Höfen hatte Meckesheim  1656 noch ein Pfarrgut von 72 3/4 Morgen. 1804 war es allerdings nur noch 22 3/4 Morgen groß. Auch dieser Besitz wurde im Laufe der Jahrhunderte größtenteils veräußert.

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