Kuriose Wimmersbacher Kirchenrenovierung

Wenn heute so gerne ein Loblied auf die gute alte Zeit und das gute alte Handwerk gesungen wird, ist dies doch zumindest fragwürdig. Das belegt der kuriose Bericht über die Außenrenovierung der katholischen Kirche in Waldwimmersbach im Jahr 1896.

Vorgeschichte

1705 wurde die Waldwimmersbacher Kirche im Zuge der Kirchenteilung den Reformierten zugesprochen und die Katholiken blieben „kirchenlos“. 1733 kaufte der Forstmeister Peter Wolff, der in Wimmersbach seinen Dienst tat, ein Grundstück an der Hauptstrasse um darauf eine Kirche im Barockstil zu erbauen. Als sie im Jahre 1739 vollendet war, hatte der Barock seinen Zenit allerdings schon lange überschritten. Die kleine Gemeinde hatte sich mit dem Kirchenbau finanziell so sehr übernommen, dass selbst für die Beschaffung von Meßgegenständen und Meßgewändern kein Geld mehr übrig war. In einem Bittbrief bat man den Kurfürsten um die Stiftung der für die Abhaltung der Gottesdienste notwendigen Gegenstände.

Quelle:  dd

Renovierung 1896

1896 wurde die Kirche außen renoviert. Die Arbeiten führten die Maurer Philipp Schmitt, der „Tüncher“ Leonhard Wolf, der Flaschner Jahn und der Schreiner H. Herbold aus. Herbold machte auch die Zimmerarbeiten. Der Maurer Schmitt hatte die Aufgabe, zur Anbringung der Ortsgängeverwahrung ein festes Gerüst an dem Westgiebel anzubringen. Als der Schreiner Herbold das Gerüst bestieg, fiel es um. Schmitt hatte das Gerüst durch Einschlagen einer Glasscheibe im Bogenfenster mit einem Strick an einer Orgelpfeife gebunden. Das bot natürlich keinen Halt. Herbold musste zur Ausführung seiner Arbeit von Maurer Knecht das Gerüst richtig aufstellen lassen. Schmitt gab der Bauleitung an, im Boden liege der steinerne Nepomuk und da könne man kein Gerüst aufstellen. Der hölzerne Glockenturm, der etwas schwankte, wurde dabei mit Streben und eisernen Winkeln festgebunden. Als diese Arbeit fertig war, hat Schmitt sich in der Wirtschaft „Zum Hirsch“ gütlich gestärkt. Sonach befahl er seinem Mitarbeiter, Franz Bender, er solle mal zusammenläuten. Auf den Glockenklang stellte er sich in die Eingangstür des „Hirschen“ und brummte „er nodelt noch, er nodelt noch“ und er selber nodelte aber auch. Auf das unerwartete Geläut wurde der Ort unruhig und nur die Grimassen des Anstifters machten die Einwohner verständig. Tüncher Wolf hatte der Kirche einen frischen Anstrich zu geben. Die angemachte Farbei reichte aber nur für die Umfassungswände. Für den Giebel musste nochmals Farbe angemacht werden, deren Ton aber etwas heller wurde.
Die Sockelfarbe war an der Straße, in der oberen Flucht etwas „krum“. Als der Bauleiter die Arbeit abnahme, fragte er Wolf: „Warum die Linie krum und der Anstrich einen Scheck darstelle.“ Da erwiderte Wolf: „Herr Curta, die Farbe hat nicht ausgereicht und das Lineal war krum.“

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