„Und der Tenor lautet“: haz ist nicht mehr – Ein Nachruf

Hans-Adam Ziegler ist tot. Wie die RNZ am 16.11.16 berichtete, ist der rasende Meckesheimer Journalist im Alter von 77 Jahren gestorben. Er berichtete von 1971 bis 1983 für das Heidelberger Tageblatt und die Rhein-Neckar-Zeitung von Elsenz und Lobbach. Hans-Adam Ziegler war ein produktiver Geist, ein fairer Berichterstatter und ein humorvoller Mensch, dem Ernsthaftigkeit aber nicht fremd war. „haz“ war sein Kürzel, das unter jedem seiner zahlreichen Artikel und für Integrität stand.

Es war eine Zeit ohne Email- oder Faxverkehr. Ziegler tippte noch mit der mechanischen Schreibmaschine auf Redaktionspapier mit Kohledurchschlag. Es sei denn, seine Frau Leni Ziegler nahm ihm dies mühevolle Arbeit – wie so oft – ab. Es gab ein Zeilengeld von 10 Pfennigen. Für das Geld hat der frühere Haager Oberlehrer also nicht geschrieben, sondern aus purer Leidenschaft am Wort und den Menschen. Die wertschätzend beschriebene Kleintierzüchterausstellung war ihm dabei genauso wichtig wie die korrekte Berichterstattung über die hochstreitige Gemeinderatssitzung. Und: haz konnte schreiben. Ein besonderes Kennzeichen seiner Artikel war die Tenorierung. Hans-Adam Ziegler verstand es die Dinge auf den Punkt zu bringen. In vielen seiner Artikeln fand sich die Formulierung, „der Tenor der Sitzung lautete ….“ oder „… lautete der Tenor“. Mit knappen und treffenden Worten brachte haz den Tenor dann auf den Punkt.

Hans-Adam Ziegler war für mich ein Vorbild. Als ich 16 Jahre alt war spürte ich den gleichen Drang zu schreiben wie ihn Hans-Adam Ziegler  schon seit den 60ern praktizierte. Mein Vater kannte Herrn Ziegler und frug für mich, den 16jährigen, ob ich Herrn Ziegler mit Berichten über Mönchzell ab und an unterstützen dürfe. Herr Ziegler zögerte keine Sekunde, sondern fand es richtig toll, dass so ein junger Kerl für die Zeitung schreiben wollte. „Warum willst Du nicht überhaupt die Berichterstattung für Mönchzell übernehmen, Gerhard? Für mich wäre das eine große Entlastung!“. Ich bin damals vor Freude an die Decke gesprungen. Dieses Vertrauen und diese Offenheit von Hans-Adam Ziegler schenkten mir eine der beglückendsten Zeiten meines Lebens. Seine Formulierung „lautete der Tenor“ habe ich natürlich übernommen, wie ich überhaupt viel aus seinen Artikeln gelernt habe. Er war das reife Meckesheimer Korrektiv zum jungen, ungestümen Mönchzeller Schreiberling, der ich damals war.

haz hatte bereits in den 60er-Jahren in Haag über die  Ereignisse im Ort berichtet. Als er von dort Anfang der 70er nach Meckesheim zog, begann er über Meckesheim und Mönchzell zu schreiben. Friedrich Soine war damals Bürgermeister. Es war die Zeit der Eingemeindung Mönchzells und der kommunalen Gebietsreform, der entstehenden Jugendzentren, der erfolgreichen Vettermann-Elf, der Nachrüstung, heftiger politischer Gefechte zwischen SPD und CDU, die Zeit Willy Brandts und Helmut Schmidts. Mit seiner flinken Feder fasste er alles in klaren, nie verletztenden Lettern zusammen, was es aus Meckesheim und Mönchzell zu berichten gab. Der an die Hand nehmende Meinungs- und schaumige Blubberjournalismus der Gegenwart, waren ihm fremd. Ziegler schrieb nie tendenziös, ergriff nicht Partei, sondern blieb immer der unbefangene Zeuge. Seine schönste Phantasie war die informierende Sachlichkeit. haz war eine Institution,  eine Art Meckesheimer Egon Kisch. Es ging bei ihm um Fakten, Fakten und noch mal Fakten. Ziegler hatte dabei den Blick für das Wesentliche, für die Bodenstruktur unter der kommunalpolitischen Wiese, egal ob sich auf ihr Krautiges oder Blumiges präsentierte.

Und er war schnell. Auf dem Postweg dauerte ihm der Transport seiner Berichte, der zwei bis drei Tage in die Heidelberger Märzgasse 20 (Tageblatt, heute ist dort der Wochenkurier zu Hause) oder Neugasse 2 (RNZ) beanspruchte, zu lange. So fuhr er auch schon mal selber mit dem Auto nach Heidelberg um die Berichte bei den Pförtnern (beim Tageblatt war das der Mönchzeller Martin Vettermann), die es anfangs noch gab, abzugeben oder später  zur Nachtzeit in die Redaktionsbriefkästen einzuwerfen. Die Redaktionsbesuche wurden für die Kinder der Familie schon mal zum Sonntagsausflug nach Heidelberg. Und wenn man schon unterwegs war, besuchte man Verwandte auf der Strecke gleich mit. Die Kinder von Hans-Adam und Leni Ziegler kannten jeden Winkel der RNZ, rannten in die Neugasse, um die Briefe einzuwerfen oder beim Pförtner abzugeben. Papas Berichte wurden zu Hause ausgeschnitten und aufgeklebt. Und wen wundert es, die Zieglerkinder schreiben bis heute noch oder haben seine Liebe zur Musik geerbt.

Als Hans-Adam Ziegler zu Beginn der 1980er-Jahre Realschulrektor in Obrigheim wurde, hatte er keine Zeit mehr für sein Zeitungshobby und Frau Haasemann aus Neckargemünd übernahm die Berichterstattung für Meckesheim.

Seine große Liebe waren neben seiner Frau Leni und dem Schreiben sein Beruf und der Gesang. Hans-Adam wurde geschätzt und war beliebt; und war dabei alles andere als beliebig. Er dirigierte viele Jahre den Gesangverein in Haag. Bis 1997 war er Bezirkschorleiter im Sängerbezirk Eberbach und bis 2001 stellvertretender Vorsitzender im  Kurpfälzischen Sängerkreis. Wenn es um den Gesang ging war er sich auch nicht zu schade, in seiner überraschend witzigen und humorvollen Art Singwettkämpfe auf Dorffesten zu moderieren. Ich erinnere mich noch gerne an seine Tätigkeit als Oberschiedsrichter bei einem Vereinsturnier des Liederkranzes in Mönchzell zum Jubiläumsfest 1980. Haz hatte einen köstlichen Humor und feierte gerne mit.

Vielleicht hätte er zu seinem letzten Tag folgendes knapp geschrieben? „Des Todes sicher, nicht der Stunde wann, lautete der Tenor eines erfüllten Lebens.“

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