Herr Castellucci und das Meckesheimer Pfefferspray

Der böse „Witz“ vom Pfefferspray

Schlechte Witze mag keiner, geschmacklose Witze gar keiner. So wird auch der Wieslocher SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Castelluci über den folgenden „Witz“ aus dem Internet nicht lachen können. Auch wenn er assoziativ aus der gleichen gedanklichen Quelle gespeist wird, wie die danach folgende Geschichte aus Meckesheim, in der Herr Castellucci die unglückliche Hauptrolle spielt:

„Kommt ein Flüchtling zum Arzt: Herr Doktor, mir brennen immer die Augen, wenn ich Sex habe! Sagt der Arzt: Das ist völlig normal. Das ist Pfefferspray.“

Nach Lachen war auch Frau Schneider aus Meckesheim dieser Tage nicht zumute.

Frau Schneider aus Meckesheim

Noch im Oktober 2016 sollen über 200 junge Flüchtlingsmänner aus der Erstaufnahmestelle Sinsheim in die vom Privatinvestor Germann aus dem Boden gestampfte Containersiedlung nach Meckesheim umziehen. Dies ist wegen des verhängten Baustopps für den Oktober aber frühestens Mitte November zu erwarten.

Schon seit einiger Zeit verkauft Frau Schneider in ihrem kleinen Ladengeschäft in Meckesheim Pfefferspray.

In der folgenden Geschichte aus Meckesheim finden Herr Castellucci,  Pfefferspray, Flüchtlinge sowie Frau Schneider dann irgendwie als schlechter Witz zusammen.

:Pfefferspray

Der Brief aus Wiesloch

Da ereignete sich nämlich dieser Tage  im Lotto-Laden von Frau Schneider aus Meckesheim Folgendes: Frau Schneider erhielt Post. Es war ein Schreiben des SPD-Bundestagsabgeordneten Castellucci. Er wolle ein Gespräch mit ihr führen. Es gehe um das Pfeffersprayschild vor ihrem Geschäft. Das Schild würde etwas signalisieren bzw suggerieren. Castellucci hatte offenbar zuvor schon die Angestellte im Geschäft darauf angesprochen. Eben genau wegen dieser Sache. Ob er vom Asylkreis darauf aufmerksam gemacht wurde? Bestimmt nicht. Oder doch? Egal! Frau Schneider jedenfalls war wütend über die unerbetene Politiker-Einmischung in ihren Betrieb. Das von ihr verkaufte Pfefferspray sei zum allgemeinen Schutz bestimmt und diene gewiss nicht dem gezielten Einsatz gegen Asylanten.

Castelluccis Sichtweise

Wer darauf abziele könne natürlich – wie Herr Castelluci – eine Verbindung zwischen dem Pfefferspray und den Flüchtlingen herstellen. Gerade so wie in obigem geschmacklosen Witz. Manche sehen eben, was sie sehen wollen. Und wenn man mit Argwohn durchs Leben geht, passt schnell exakt zusammen, was nicht unbedingt zusammengehört.
War es klug vom Parlamentarier Castelluci auf die Meckesheimer Geschäftsfrau und ihren kleinen Gewerbebetrieb solchermaßen Einfluss nehmen zu wollen? Wohl kaum. Darf Frau Schneider nicht frei entscheiden, was sie verkaufen möchte? Sehr wohl.
Jedenfalls steht eine solche Intervention ausgerechnet einem Politiker nicht gut zu Gesicht, der den Meckesheimern wegen der Germannschen Flüchtlingssiedlung Hilfe signalisiert hatte. Castellucci versprach nämlich, er werde sich darum kümmern, was immer er damit meinte. Die Meckesheimer sagen jedenfalls: Nichts hat er getan, der Herr Castellucci,  und man hat nach seinem Versprechen auch nichts mehr von ihm gehört. Bis jetzt eben Frau Schneider von ihm zu hören bzw. zu lesen bekam. Stop! Da war noch was. Nachdem der Einbruchdiebstahl eines Gambianers in Meckesheim bekannt geworden war, hatte Castelluci den Betroffenen ein Wohnzimmergespräch angeboten. Die nahmen sein Angebot aber nicht an. Genauso wenig wie Frau Schneider darauf verzichten wird, ihr Pfefferspray an ihre Kundschaft weiter zu verkaufen.

Rübensäckel oder Pfeffersäcke?

Für die Meckesheimer ist eh klar, dass sie Rübensäckel und keine Pfeffersäcke sind. Und: sie waren schon immer ein selbstbewusstes Völkchen, das sich von der Obrigkeit nur ungern dreinreden lässt. Wenn schon früher die Meckesheimer Bauern in der freudalen Kurpfalz den Adel aus dem Dorf trieben, soll man sich da heutzutage als selbstbewusste Meckesheimer Geschäftsfrau von einem argwöhnischen Politiker den Pfeffer aus der Suppe kratzen lassen?
Hätte Herr Castellucci doch seine Energie besser im Bundestag eingesetzt. Er hat mit seiner bevormundenden Aktion nicht nur Frau Schneider verärgert, sondern vermutlich auch deren Kunden und all die Meckesheimer(innen), die in diesen Tagen und davor, auf Pfefferspray in ihrer (Hand-)Tasche wert legten und legen. Sei es beim Abendspaziergang, beim Trampen, beim Waldspaziergang, beim Joggen oder wann auch immer sie sich etwas sicherer fühlen möchten.  Herr Castellucci agierte politisch ziemlich instinktlos, indem er sie alle in seinen suggestiven Pfeffersack steckte. Eben auch ein schlechter Witz. Ob Herrn Castellucci auch bald die Augen brennen?  Vielleicht bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr? Da hatte  die SPD in Meckesheim bislang immer noch einigermaßen ordentlich abgeschnitten.
Fazit:
Wer als Politiker agiert wie Herr Castellucci macht letzten Endes Wahlwerbung für die AfD. Die Geschichte ist Thema im Ort und polarisiert unnötig weiter. Gut gemeint ist eben nicht unbedingt gut gemacht. Die SPD hat aus ihren 12,7 Prozent bei der letzten Landtagswahl offensichtlich immer noch nicht gelernt. Wie gut täte es manchem Genossen, sich am nüchternen Sachverstand und politischen Instinkt eines Helmut Schmidt zu orientieren.
pfefferspray

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