Vor 300 Jahren: Amerikanische Kirchenväter kamen aus Eschelbronn und Mönchzell

Mönchzell war ab den 1670er Jahren bis 1850 trotz weniger Unterbrechungen eine lutherische Filialgemeinde der Pfarrei Eschelbronn. Der berühmteste lutherische Pfarrer, der in Mönchzell damals wirkte und auch wohnte, war Antonius Jacobus Henckel. Heckel wurde zum Begründer der lutherischen Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Familie Henckel

Henckel  wurde am 27. Oktober 1668 im hessischen Merenberg geboren. Er starb am 12. August 1728 in Springfield im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania. Henckel war ein deutscher Theologe, der nach seiner Auswanderung nach Pennsylvania die erste deutsche lutherische Gemeinde in der nordamerikanischen Kolonie gründete.

Henckel hatte eine ältere Schwester und vier jüngere Geschwister. Sein Vater, Georg Henkel (* 1635 in Allendorf, † 29. Januar 1678), war lutherischer Schulmeister, seine Mutter war Anna Eulalia Dentzer (* 1640 in Steinberg). Beide heirateten am 2. Mai 1666 in Merenberg.

Taufe, Studium, Hochzeit


Gedenktafel Antonius Jacobus Henckel an der Evangelischen Kirche Eschelbronn
Henckel wurde am 27. Dezember 1668 getauft. Über seine Kindheit und Schulzeit wissen wir nichts. Am 5. Mai 1688 schrieb er sich in der Universität Gießen ein und schloss dort am 16. Januar 1692 sein Theologie-Studium ab.Antonius Jacobus Henckel wurde am 25. April 1692 mit Maria Elisabetha Dentzer († 23. Januar 1744) von deren Vater Johann Nikolaus Dentzer in Kirchhain vermählt. Aus der Ehe gingen sieben Söhne und fünf Töchter hervor, wovon jedoch vier bereits in jungem Alter verstarben.

Kurpfälzischer Gemeindepfarrer

1692 wurde Henckel durch die Herren von Fels als Pfarrer von Eschelbronn berufen. Am 28. Februar 1692 wurd er von dem Pfarrer Johann Christoph Wild aus Hoffenheim ordiniert und übernahm die Pfarrstelle in der Gemeinde Eschelbronn, sowie 1693 zusätzlich die Gemeinde von Mönchzell. Eschelbronn war seine erste Pfarrstelle nach seinem Theologiestudium in Gießen. In Eschelbronn war er bis 1695 als Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Kirche tätig, wo er innerhalb seiner Amtszeit etwa 18 Taufen, fünf Hochzeiten und 30 Beerdigungen durchführte. Henckel lebte mit seiner Familie im Eschelbronner Pfarrhaus. Er hielt jedoch nun auch regelmäßig Gottesdienst in Mönchzell. Wir dürfen uns also vorstellen, dass Henckel durch den Mühlwald mindestens sonntäglich das heute sogenannte „Scheißdreckswegel“, der kürzesten Verbindung von Eschelbronn nach Mönchzell,  herunterkam. 1695 wechselte er nach Daudenzell und war dort bis 1703 als Pfarrer tätig. Sein Nachfolger in Eschelbronn wurde 1696 Josua Harrsch. Zudem war Henckel 1699 bis 1707 für die Gemeinde Kälbertshausen zuständig.

In der Filialgemeinde Breitenbronn versuchten Katholiken im Jahr 1709 die lutherische Kirche zu stürmen. Henckel reagierte darauf, indem er den Vorfall dem Konsistorium in Heidelberg meldete, worauf der Kirchenrat ihn an den Kurfürsten verwies. Infolge der Ereignisse ordnete die katholische Regierung eine gemeinsame Nutzung des Gotteshauses durch Katholiken und Protestanten an.

1714 hatte Henckel einen Disput mit der Daudenzeller Ortsherrschaft und musste seine dortige Stelle aufgeben. In dieser Situation wandte er sich an Melchior von Festenburg, den Mönchzeller Ortsjunker. Von Festenburg übertrug Henckel erneut die „Versehung“ von Mönchzell bzw. das das Amt in Mönchzell (Heinrich Neu, Badisches Pfarrbuch von 1939). Die Familie Henckel lebte deshalb 1714 für einige Monate auf einem Mönchzeller Bauernhof. Es gab kein eigenes Pfarrhaus am Ort. Auch konnte man langfristig keinen eigenen Pfarrer für Mönchzell bezahlen.

Pfarrer Henckel nahm deshalb Ende 1714 eine Pfarrstelle in Neckargemünd an. Dort betreute er bis zum 3. Juni 1717 die Neckargemünd unterstellten lutherischen Pfarrgemeinden in der  Meckesheimer Zent. Henckel konnte daher nicht mehr regelmäßig den Gottesdienst in Mönchzell halten, weshalb es zum Streit mit dem Ortsherrn Melchior von Festenburg kam.

Auswanderung nach Pennsylvania

Auf Einladung von William Penn, dem Gründer Pennsylvanias, wanderte Henckel im Jahr 1717 in die nordamerikanische Kolonie aus, ins spätere New Hanover Township, wo er vermutlich im September ankam. Als Gründe seiner Auswanderung werden die Rekatholisierung in der Pfalz und die Armut der lutherischen Kirche angenommen.

Als einer der wenigen lutherischen Pfarrer der Region engagierte er sich insbesondere bei der Errichtung von Schulen und Kirchen und leistete so einen Beitrag für die Entstehung der lutherischen Kirche in Pennsylvanien. 1721 gründete er die erste lutherische Gemeinde und ließ die St. Michaels Lutheran Church in Germantown erbauen, zu deren Finanzierung auch Benjamin Franklin mit fünf Schilling beitrug.

Tod durch Sturz vom Pferd

Am 12. August 1728 starb Henckel im Haus von Herman Goothausen in Springfield an den Verletzungen, die er sich am gleichen Tag bei einem Reitunfall auf dem Weg zu einem Krankenbesuch zugezogen hatte. Er wurde auf dem Friedhof in Germantown begraben. Sein Grabstein ist noch erhalten. Bis später sein Testament aufgefunden wurde, war zunächst ungewiss ob Henkel im Jahr 1728 oder 1732 verstorben war.

Im Laufe der folgenden Generationen änderte sich der Name Henckels’ Nachfahren in Henkel, Hinkel, Hinkle (geändert im Jahr 1797) und Hinckel.

Josua Harrsch alias Kochertal verfasst die Auswandererschrift „Carolina“

Annlässlich des Deutsch-Pennsylvanischen-Tages, der 2010 im Evangelischen Gemeindehaus Eschelbronn stattfand wurde eine Gedenktafel für die Eschelbronner und Mönchzeller Auswanderer-Pfarrer Henckel und Josua Harrsch (alias Kochertal) am Seiteneingang der Eschelbronner Kirche angebracht. Harrsch war der Nachfolger von Pfarrer Henckel und veröffentlichte die berühmte Auswandererschrift „Carolina“. Harrsch versah als Pfarrer Mönchzell zwischen 1796 bis 1708 von Eschelbronn aus.

Amerikanische Besucher

Regelmäßig besuchen Nachfahren von Pfarrer Henckel Eschelbronn. Erst im Juni 2016 war ein direkter Nachfahre Henckels aus Florida in Eschelbronn. 2015 kamen Nachfahren aus Texas nach Eschelbronn. Eschelbronn ist eine wichtige Anlaufstelle, da Pfarrer Henckel dort 1692 ordiniert wurde und zwei seiner Kinder, darunter die älteste Tochter Frederica in Eschlebronn geboren wurden.

Eschelbronner Historiker beschreibt Lebensgeschichte

Die ausführlich Lebensgeschichte von Pfarrer Henckel finden Sie in Marius Golgaths Buch „Von der Kurpfalz nach Pennsylvania: Die bewegende Geschichte des Kirchenpioniers Antonius Jacobus Henckel (1668 – 1728). Das Buch erscheint im Programm des Verlags Regionalkultur Ubstadt-Weiher und ist über http://www.amazon.de oder http://www.ebay.de erhältlich. Es kostet nur 12,90 Euro und ist jedem Interessierten Mönchzeller oder Eschelbronner sehr zu empfehlen.

Text: M.A. Marius Golgath, Wikipedia, Gerhard Ruby

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