Wie Meckesheim und Mönchzell badisch wurden und welchen Preis sie dafür zahlten

Ohne Napoleon wären wir keine Badener

Die Französische Revolution machte alles neu. Sie führte zum Ende der alten Kurpfalz und zur Entstehung des Großherzogtums Baden, zu dem dann auch Meckesheim, Mönchzell und die anderen Orte an Elsenz und Lobbach fielen.

Nach der Französischen Revolution (1789) kam Napoleon an die Macht. Zuerst regierte er Frankreich als Konsul (1799) und ab 1804 als Kaiser. Sein Ziel war die Vorherrschaft Frankreichs über ganz Europa. Deutschland war damals noch ein Flickenteppich von 265 deutschen Kleinstaaten. Zum Beispiel war Hessen für die Kurpfälzer Ausland, genauso wie die Markgrafschaft Baden für die Kurpfalz Ausland war. 16 deutsche Kleinstaaten entlang des Rheins unterwarfen sich Napoleon sofort freiwillig. Sie schlossen sich 1806 unter Napoleon zum deutschen Rheinbund zusammen. Wenige Wochen später legte der Österreicher Franz II. die deutsche Kaiserkrone nieder. Das „Alte Reich“ hatte nach über 1000 Jahren aufgehört zu existieren.

Was bedeutete das alles?

Als Kaiser Franz II. – unter dem Druck Napoleons – am 6. August 1806 die Krone niederlegte, geschah das ohne großen Knall. Der Kaiser, so hieß es in der Abdankung, sehe sich nicht mehr in der Lage, seine Pflichten als Oberhaupt des Heiligen Römischen Reiches zu erfüllen.

Das Heilige Römische Reich existierte nicht mehr. „Überlebtes Welttheater“, wie Goethe damals kurz befand. Dabei hatte das ‚Alte Reich’ wie es von Historikern auch genannt wird, über 1000 Jahre bestanden. Das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ war eine zählebige Einrichtung, die neben dem Kernvolk der Deutschen verschiedene Völker, Sprachen und Interessengruppen zusammenhielt. Es war ein Reich ohne feste Grenzen. Grenzen waren aber auch nicht wichtig. Das „Alte Reicht“ wurde nämlich durch ein Geflecht aus persönlichen Treueverhältnissen, dem „Lehnswesen“, zusammen1806gehalten. Vom König bis hinunter zum einfachen Freien wurden Land, Ämter, Pfründe vergeben, die zwischen dem gebenden Lehnsherrn und seinem Vasallen ein persönliches Treueverhältnis bis hin zum Kriegsdienst besiegelten.

Um 1800 bestand das Heilige Römische Reich aus einem Sammelsurium von 250 unabhängigen Fürstentümern. Nur zwei Mächte überragten den Rest: das katholische Österreich mit dem Haus Habsburg, das lange schon den Kaiser stellte, und das protestantische Preußen. Doch schließlich war es Napoleon, der Europa neu ordnete. Mit dem mittelalterlichen Chaos altdeutscher Zustände vermochte sein ordnender Verstand nichts anzufangen. Er fasste die ehemals 265 Länder und Länderfetzen des alten Deutschlands zu den 28 übersichtlichen Territorien des Rheinbundes zusammen. Die deutschen Fürsten schlossen sich im Rheinbund Napoleon an.

Und das war’s dann. Kaiser Franz II. legte die Reichskrone nieder. Freilich tat der abdankende römisch-deutsche Kaiser dies nicht, ohne zuvor den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen zu haben. Doch auch danach sollte es bis 1871 dauern, ehe „Deutschland“ sich zu einer Nation sich vereinte. Der „deutsche Sonderweg“ oder die „verspätete Nation“, die Deutschland  schließlich wurde, wurzeln also tief in der Geschichte jenes „Heiligen Römischen Reichs“, das nie richtig funktioniert hatte und doch so überlebensfähig gewesen war.

12. Juli 1806

Erinnern wir uns: Unter dem Druck Napoleons traten  zunächst 16 deutsche Landesherrscher aus dem „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ aus, und gründeten den Rheinbund.

Der war vor allem ein Militärbündnis: Die angeschlossenen Staaten waren verpflichtet, Napoleon Truppen zu stellen. Alle Könige und Fürsten mussten ihren Titeln entsagen, erfuhren dafür aber im Gegenzug Rangerhöhungen und Gebietserweiterungen in teilweise beträchtlichem Maße. So auch das spätere Baden.

Nur 24 Stunden hatte Napoleon den Repräsentanten der beteiligten Staaten Zeit gegeben, die Rheinbundakte zu unterschreiben, sonst wäre er mit der „Grande Armée“ einmarschiert. Nach den militärischen Erfolgen über Österreich und später auch über Preußen hatte er den Rest des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation politisch besiegt.

Napoleon Bonaparte war am Ziel, die Herrschaft über den gesamten Kontinent, so glaubte er, nur eine Frage der Zeit.

Der Rheinbund sollte keine politische Handlungseinheit werden, das interessierte Napoleon nicht. Die Rheinbundstaaten hatten Napoleon vor allem Soldaten zu liefern.

Bis 1808 schlossen sich weitere 23 deutsche Staaten dem Rheinbund an.

Napoleons als Modernisierer

Der Rheinbund brachte den beteiligten Staaten einen Modernisierungsschub. Überall wurden neue Verwaltungsbezirke gebildet, der bunte „Flickenteppich“ des fast tausendjährigen „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, und die damit verbundenen Teilmächte, wie unsere Kurpfalz, verschwanden. Baden war eine Schöpfung Napoleons und trat an die Stelle der alten Pfalz.

Wie Baden entstand

In Baden regierte damals der eher „unsymbadische“ Karl Friedrich (1738 bis 1811). Karl Friedrich war ein Günstling Napoleons, der die Kurpfalz an Bayern, Baden und Hessen verteilte. Nun kamen auch Meckesheim, Mönchzell sowie die anderen Elsenz- und Lobbachtalgemeinden an Baden. Aus dem kleinen Markgrafen Karl Friedrich wurde ein Großherzog von Napoleons Gnaden.

Meckesheimer Kriegsrechnung

Baden hatte als Grenzland in den napoleonischen Kriege viel unter den durchziehenden französischen Truppen zu leiden.In den Meckesheimer Gemeindeakten finden wir aus dem Jahr 1797 eine Kriegsrechnung. Darin heißt es:

„An Reparationen mußten geleistet werden 1632 Pfund Fleisch a 8 Kreuzer, 14 Hämmel, 3 Kälber und 1443 Pfund Brot.“

Alles musste in das Lager nach Wiesloch geliefert werden. Als das Hautpquartier der Franzosen später in Meckesheim lag mussten bei den Durchmärschen und Einquartierungen von der Gemeinde an die Meckesheimer Wirte 877 Gulden bezahlt werden.

Meckesheim wird geplündert

Manche Soldaten plünderten. Gestohlen wurden hauptsächlich Geflügel, Getränke und Nahrungsmittel. 1797 wurden 84 Gänse, 91 Hühner, 180 Pfund Butter und 70 Garben Stroh den Meckesheimern von den durchmarschierenden Franzosen widerrechtlich weggenommen. Aus dem Keller des Löwenwirts Müller verschwanden 194 Maß Wein und 11 Maß Branntwein (1 Maß = 1,5 Liter).

Meckesheimer Soldaten für Napoleons Kriege

Napoleons Kriegspolitik belastete die Rheinbundstaaten enorm. Die Kriege, die er gegen Österreich, Preußen, Spanien und Russland führte, forderten einen hohen Blutzoll. Als Napoleon im Juli 1812 mit 600.000 Mann gegen Russland zog, waren auch Väter und Söhne aus Meckesheim und Umgebung dabei, die nicht mehr wiederkehrten. Sie erfroren auf den Eisfeldern Russlands. Von den 600.000 Soldaten der Großen Armee Napoleons sollten überhaupt nur 12.000 Mann zurückkehren.

Innenpolitik

Die Rheinbundstaaten hatten für Ruhe und Gehorsam der Untertanen gegenüber dem Imperator zu sorgen. Insofern war das Rheinbundsystem vor allem ein System der Ausbeutung und Unterdrückung.

Aber es gab auch viel Positives: Wirtschaft und Verwaltung wurden vereinheitlicht, bürgerliche Rechte eingeführt. Napoleons Code Civil wurde ins Deutsche übersetzt und galt als Badisches Landrecht bis 1900. Unser baden-württembergisches Notariatssystem, das heute noch gilt (bis 2018), geht auf Napoleon zurück. Das Programm Napoleons war die Umformung der feudalen Gesellschaft zu einer Gesellschaft freier Eigentümer, vor allem die Aufhebung der Grundherrschaft.

Napoleons Fall

Der Fortschritt, den Napoleon verkündete, blieb jedoch weitgehend ein Propagandaversprechen. Wichtige Machtpositionen besetzte er mit Personen aus seinem Familienclan. Den französischen Militäradel ließ er mit deutschen Landgütern versorgen. Die Rheinbundstaaten waren für Napoleon letztlich ergiebige Milchkühe.

Doch Kaiser Napoleon überspannte den Bogen. Der Widerstand gegen seine Eroberungspolitik wuchs. 1813, nach der Niederlage Napoleons in der „Völkerschlacht bei Leipzig“ brach der Rheinbund auseinander.

Meckesheimer Kriegslasten

Nach der Schlacht bei Leipzig mussten die Städte und Dörfer Badens hohe Kriegslasten tragen. Allein Meckesheim hatte 1813 die unglaubliche Summe von 1530 Gulden und 1814 weitere 1850 Gulden zu entrichten. Bei der Einquartierung des russisch-kaiserlichen 16. Artillerieparks mussten sämtliche Meckesheimer Schmiede und Wagner die schadhaften Fuhrwerke reparieren, was die Gemeinde 81,19 Gulden kostete. Der Totengräber hatte für die Beerdigung der in Meckesheim verstorbenen Soldaten eine Forderung von 70 Gulden gegen die Gemeinde. Die „Krankenwärter“ Johann Zimmermann und Johann Müller bekamen für ihre Dienste 36 Gulden. Der Schreiner Kern für „Totenladen“ 200 Gulden. Friedrich Geilsdörfer und seine Helfer halfen beim Auf- und Abladen von kranken, gefangenen Franzosen, wofür sie 1,24 Gulden bekamen. Den bei dem kaiserlich-russischen Spital in Meckesheim angestellten Krankenwärtern wurden 16 Gulden bezahlt. Dem Meckesheimer „Judenlehrer Benjamin aus Polen“ (so Zimmermann in der Meckesheimer Ortschronik), der russisch sprach, wurden als Dolmetscher 8 Gulden bezahlt. Ferner mussten 480 Zentner Heu, und als dieses nicht ausreichte, weitere 230 Zentner Heu geliefert werden. Dazu noch 497 Zentner Hafer. Für die Unterbringung des Futters musste die Gemeinde sogar ein Magazin bauen.

 12.339 Soldaten waren 8 Monate in Meckesheim einquartiert

Alles in allem wurden in Meckesheim

  • 45 Stabsoffiziere
  • 339 Offiziere
  • 11.955 Gemeine und
  • 2641 Pferde

einquartiert. All dies geschah in der Zeit vom 6. November 1813 bis zum Juli 1814. Die Verpflegung, die die Gemeinde zu tragen hatte, wurde pro Tag mit 8 Kreuzern berechnet. Die Lasten für die 743 Meckesheimer Einwohner waren kaum zu schultern. Auf einen Meckesheimer kamen 16 Soldaten. Nur langsam konnte sich Meckesheim von den Kriegslasten wieder erholen. Erst nach der Niederlage Napoleons bei Waterloo (1815) und seine Verbannung auf die Mittelmeerinsel St. Helena, kehrten in Meckesheim wieder Ruhe und Frieden ein.

An den Feldzügen der badischen Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahmen laut der „Veteranenchronik der Krieger Badens“ folgende Meckesheimer teil:

  • Wilhelm Dresch
  • Jakob Gänzler
  • Georg Greiner
  • Georg Keller
  • Johann Georg Kirsch
  • Georg Michael Ludwig
  • Georg Müller
  • Valentin Müller
  • Johann Jakob Seltenreich
  • Johann Georg Seltenreich
  • Georg Walter und
  • Friedrich Zimmermann

Sie alle erhielten als „Dank“ am 27. Januar die vom Großherzog Leopold gestiftete „Felddienstauszeichnung“.

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