Meckesheim braucht Besonnenheit – Ein Kommentar zur Flüchtlingskrise

Es ist ein schwieriges Erbe, das Hans-Jürgen Moos seinem Nachfolger hinterlässt. Der abgewählte Bürgermeister lässt die Elsenzgemeinde unvorbereitet in eine Mammutaufgabe stolpern: Über 200 junge, männliche Asylbewerber sind zu integrieren. Dem Vernehmen nach wurden alle Gespräche für die Gemeinde Meckesheim –  sei es mit dem Landratsamt oder mit Flüchtlingsinvestor Germann – alleine und ausschließlich von Moos geführt. Er ließ sich von niemandem in die Karten blicken. Nur einmal als es um die Beruhigung der aufgebrachten Unternehmer ging, nahm er Hauptamtsleiter Schwarz als Beistand mit. Das war alles. Es war leichtfertig von Moos die in dieser Frage zuständigen Verwaltungsleute Schwarz oder Hartmann nicht in die Gespräche einzubinden. Meckesheim steht ohne Integrationskonzept für die Flüchtlinge da.

Nur: Jammern hilft nicht. Zügiges Handeln seitens der Gemeinde ist angesagt. Moos‘ Versäumnisse müssen schnell abgefangen werden. Nachfolger Maik Brandt wird am 1. Oktober das Amt als Bürgermeister antreten. Wahrlich keine leichte Aufgabe angesichts des Asylzuzugs. Meckesheim erhält im Oktober auf einen Schlag über 200 junge Flüchtlingsmänner aus Sinsheim zugewiesen. Den meisten Meckesheimern bereitet das Sorgen oder gar Ängste. Im Containerlager werden die jungen Männer auf engstem Raum zusammengepfercht sein. Auf der Größe dreier Bauplätze müssen über 200 junge Männer beengt leben. Allein das birgt Konfliktpotenzial.

Es könnte sich als dicker Pluspunkt für Meckesheim erweisen, dass Brandt über die langjährige Erfahrung eines Polizeibeamten verfügt, der die Probleme in Flüchtlingsheimen aus eigener Anschauung bestens kennt. Das Containerdorf ist nicht mehr zu verhindern. Brandt wäre also schlecht beraten, Dinge zu bekämpfen, die er nicht mehr ändern kann. Diese Chance wurde im Vorfeld von seinem Vorgänger verspielt. Sie mag gering gewesen sein, aber Moos war überhaupt nicht daran interessiert sie zu suchen. Jetzt stehen die Container und die Flüchtlinge kommen im Oktober. Das ist sicher.

Brandt wurde im Wahlkampf als besonnener Mann des Ausgleichs wahrgenommen. Die Art wie er die Wahl gewann, lässt auf einen klugen Strategen mit Weitblick schließen. Während Moos gravierende Fehler machte, machte Brandt alles richtig. Brandts strategische Fähigkeiten und sein Besonnenheit sind jetzt in der Meckesheimer Flüchtlingsfrage wichtiger denn je. Eine punktgenaue Lösung wie bei der Wahl, kann es bei der Flüchtlingszuweisung aber nicht geben. Auf Brandt und sein Team kommen wegen des Flüchtlingszuzugs vielfältige Aufgaben zu, die die Gemeinde über Jahre beschäftigen werden.

Brandt und die Meckesheimer müssen das Beste aus der Situation machen. Die bisherige Orientierungslosigkeit der Verwaltung in der Flüchtlingsfrage muss durch einen klaren Kurs ersetzt werden.  Gefragt sind ein wertschätzender Umgang mit allen Beteiligten, Transparenz und der Wille zur Zusammenarbeit in der Sache. Diese Chance wurde in der Auwiesenhalle von Moos und den Vertretern des Landratsamtes, deren Auftreten als „aalglatt“ empfunden wurde, nicht genutzt.

Aber: Die Meckesheimer Gemeindeverwaltung wirkt nach dem Bürgermeisterwechsel hoch motiviert. Sie hat das Potenzial die Aufgabe zu bewältigen, ohne die Sorgen und Ängste der Bürger zu ignorieren. Offenheit und Transparenz sind das Gebot der Stunde.

Als gelernter Polizeibeamter ist Brandt gewohnt, konzeptionell zu arbeiten. Die Meckesheimer dürfen hoffen, dass unter Brandts Regie zeitnah ein Flüchtlingskonzept für Meckesheim erarbeitet wird. Wichtig wäre vor allem die Schaffung der Stelle eines Integrationsbeauftragten. Bürger und Flüchtlinge brauchen einen Ansprechpartner. Die Kommunikation mit den Bürgern und Flüchtlingen muss gelingen. Sorgen und Ängste müssen wahr- und ernst genommen werden.

Brandt, die Verwaltung und die Meckesheimer, aber auch die Flüchtlinge, sind gefordert. Die Bundes- und Landespolitik haben Meckesheim zu einem sozialen Experiment mit offenem Ausgang gemacht. Mit Besonnenheit und Tatkraft kann die Gemeinde Meckesheim dieses ihr aufgezwungene Experiment bestehen.

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