Erstes Meckesheimer Schulhaus 1618 erbaut

Keine Schulen, keine Lehrer

Um 1600 gab es an Elsenz und Lobbach noch keine Schulen oder Lehrer. Lesen und Schreiben konnte man nur in den Klöstern. Vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) waren es allenfalls die Pfarrer, die etwas Latein konnten und im Lesen, Schreiben und Rechnen bewandert waren. Ritter und Adelige hatten ihr Hauskapläne, welche die jungen Adeligen unterrichteten.

Die kurfürstliche Regierung forderte zum Schulbau auf

Nachdem Johann Guttenberg um 1440 die Buchdruckerkunst erfunden und Martin Luther 1522 die Bibel ins Deutsche übersetzt hatte, stieg in der Bevölkerung das Interesse am Lesen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren aber in den jetzt nur noch gering bevölkerten Dörfern keine Mittel da, um einen Lehrer anzustellen oder gar ein Schulhaus zu bauen. Allerdings lag der kurfürstlichen Regierung daran, den Bildungsstand in der Kurpfalz zu heben. Sie forderte die Gemeinden zum Schulbau auf. Die Gemeinden legten als ersten Schritt Fonds für Schulhausbauten an.

Schuster und Schneider waren die ersten Lehrer

Die ersten Lehrer, die in den Gemeinden unterrichteten, waren meistens Schuster und Schneider. Am Vormittag kamen die Kinder von 10 bis 16 Jahren mit ihrer Wachstafel und einem Metallgriffel in die Werkstatt und lernten Religion, Schreiben, Lesen und die Grundbegriffe der Zahlen. Die älteren Schüler mussten im Haushalt und Stall des Lehrerhandewerkers helfen und den Jüngeren bei ihren Aufgaben behilflich sein. Schulgeld wurde keines erhoben. Die Lehrer wurden in Naturalien entlohnt. Zur Winterszeit brachte jedes Kind etliche Scheit Holz zur Heizung der Schulwerkstatt mit. Die Besoldung der Lehrer war damals kläglich. Der Handwerkerlehrer war auf die freiwilligen Gaben und die Großzügigkeit der Bewohner angewiesen. Damit der Lehrer leben konnte, übertrug man ihm allerlei niedrige Dienste und Handreichungen. Allmählich setzte man ein Gehalt fest, das aber jahrzehntelang nur auf dem Papier stand.

Auch bei seinen Nebenverdiensten war der Lehrer auf die Großzügigkeit der Einwohner angewiesen. Mangel und Not war in der meist kinderreichen Familie des Lehrers immer vorhanden.

Unterricht nur von Martini bis Ostern

Der Schulunterricht dauerte nur von Martini (11. November) bis Ostern. Im Sommer brauchten die Eltern die Kinder für die Landwirtschaft. Unter den Unterrichtsfächern nahm Religion die meiste Zeit in Anspruch. Es wurden Bibelsprüche, Katechismusfragen, biblische Geschichten und geistliche Lieder auswendig gelernt. Teilweise in lateinischer Sprache.

Wie man Lehrer wurde

Wollte einer Lehrer werden, so musste er bei einem älteren Lehrer oder bei einem Präzeptor in der Stadt gegen ein Lehrgeld in die Lehre gehen. War der junge Lehrer für den Dienst ausreichend vorbereitet, musste er die Dienstprüfung ablegen. Die Lutherischen wurden vom Konistorium in Heidelber geprüft. Die Katholiken musste die Prüfung vor dem Kapitelsdekan in Waibstand ablegen. Nach der Dienstprüfung erhielt der Lehrer ein Zeugnis von der geistlichen Behörde und konnte sich dann um eine Stelle bewerben.Im Zeugnis wurde an erster Stelle die Fertigkeit des Junglehrers im Singen und im Orgelspiel bescheinigt. Bei einem Stellenwechsel musste der Lehrer ein viertel oder halbes Jahr vorher kündigen. Unmittelbarer Vorgesetzter des Lehrers war der Ortsgeistliche der jeweiligen Konfession. Die Schulen waren damals noch konfessionell. Waren in einem Dorf weniger als 15 Kinder von einer Konfession, wurde kein Lehrer im Ort eingestellt. Die Kinder gingen dann im Nachbardorf zur Schule.

Drei Kreuze als Unterschrift

Die Schulbildung war derart mangelhaft, dass es im 19. Jahrhundert noch alte Leute in Meckesheim gab, die nicht Lesen, ja nicht einmal ihren Namen schreiben konnten. Sie machten als Unterschrift einfach drei Kreuze.

Der Pfarrer als Messner

Der evangelische Pfarrer in Meckesheim musste auch Messnerdienste verrichten. Dazu gehörte das Läuten der Kirchenglocke, das Klingelbeuteltragen, das Öffnen und Schließen der Kirchentüren und das Ankleiden des Pfarrers. Der Lehrer hatte als Messner auch noch das zweifelhafte Vergnügen bei nichtehelichen oder ortsfremden Kindern (fahrendes Volk der Sinti und Roma) die Notpatenschaft zu übernehmen. Der Ortsgeistliche hielt auch die ihm notwendig erscheinenden Schulprüfungen ab und nahm die Beschwerden der Eltern gegen den Lehrer, an denen es nicht mangelte, entgegen. Es war damals ein Vergnügen für die Mächtigen und die Pfarrer im Ort, den Lehrer stets unter ihrer Fuchtel zu halten. Solange die Bewohner den Lehrer zu zahlen hatten wurde er in Naturalien entlohnt. Die Gemeinde hingegen zahlte in Geld. Von der Gemeinde wurden dem Lehre auch sogenannte Schulgüter zur Bebauung überlassen.

Das Meckesheimer Schulgut

hatte 126 ar 15 qm Äcker, 50 ar und 21 qm Wiesen. Außer dem Zugeständnis an Wiesen und Feld bekam der Meckesheimer Lehrer noch eine Holzgabe, wie jeder andere Meckesheimer, der das Bürgerrecht besaß, auch. Neben dem Schul- und Wohnhaus standen noch Scheuer und Stall, damit der Lehrer noch Vieh halten konnte. Die Wohnung war für den Lehrer frei. Der Messnerdienst bescherte ihm noch ein geringes Zubrot. Für das Läuten der Glocken jährlich 1 bis 2 Malter Korn, für die Kirchentüren öffnen und schließen 30 Kreuzer, für das Klingelbeuteltragen 30 kreuzer, für „die Orgel schlagen“ 10 Gulden, für eine Leiche (Beerdigung) und Kindstaufe je ein Laib Brot, für eine Hochzeit ein Maß Wein, ein Stück Fleisch, ein Stück Brot oder statt des Brotes 15 Kreuzer.

Meckesheim besaß ein katholisches und ein reformiertes Schulhaus

Das erste Schulhaus war das reformierte. Es gehörte Georg Lilli (später Ernst Bär). Es wurde 1618 erbaut. Im Laufe der Zeit verkaufte es die Gemeinde und baute dafür ein neues. Wann der Neubau erfolgte, lässt sich nicht mehr feststellen. Dieses neue Schulhaus stand dort, wo heute die alte Schule steht. Es war 1824 abgerissen worden, da es zu klein geworden war. Ein neues Schulhaus wurde erbaut, das 1850 mit einem zweiten Stock aufgestockt wurde. Im ersten Stock wurden damals zwei Schulsäle eingerichtet.

Das katholische Schulhaus wurde 1766 hinter dem Rathaus für 825,35 Gulden erbaut. 1845 erwies es sich auch als zu klein. Da es zudem baufällig war baute man 1845 ein neues Schulhaus (späteres Wohnhaus von August Doll).

Die Aufhebung der Konfessionsschulen

1978 wurden in Baden und damit auch in Meckesheim die Konfessionsschulen aufgehoben. An ihre Stelle trat die Simultanschule, die beide Konfessionen vereinigte. Als mit den Jahren die Einwohnerzahl in Meckesheim wuchs, reichten die inzwischen vorhandenen drei Lehrsäle nicht mehr aus. 1904 baute man an das Schulhaus neben der evangelischen Kirche vier Lehrsäle an. Man überlegte damals, das Schulhaus fern vom Verkehr mit den benötigten Lehrerwohnungen am Dammweg (wo später die Villa von Clemens Ditzel stand) zu bauen. Aber der Egoismus der Geschäftsleute siegte. So wurden mitten im Dorf die neuen Lehrsäle als Anhängsel an das alte Schulhaus „hingepfuscht“, wie Zimmermann in seiner Ortschronik aus dem Jahre 1937 schreibt. Da ringsherum auf allen Seiten Straßen lagen, war man im Bauen eingeengt. Zimmermann: „Die gemachten Erfahrungen und erworbenen Neuerungen im Schulhausbau wurden auch von der Behörde nicht beachgtet und so steht das Lehrgebäude heute (1937) noch als Pfuschwerk da.“ Der Bau hatte vier Lehrsäle, in jedem Stock zwei. Im dritten Stock, dem Dachgeschoss, befand sich noch ein kleines Lehrmittel- und Konferenzzimmer. Für die Schülerzahl der Volksschule im Jahr 1937 – es waren 254 Schüler – reichte es aus. Für die „Knabenfortbildungsschule“ hatte man im alten Schulhaus einen zusätzlichen Lehrsaal eingerichtet. Für die „Mädchenfortbildungsschule“ und den Handarbeitsunterricht wurde 1926 ein Anbau an die Kinderschule gemacht.

Meckesheim war der Zentralsitz der Knaben- und Mädchenfortbildungsschule

Sie wurden von den Schülerinnen und Schülern aus Meckesheim, Mönchzell, Zuzenhausen und Mauer besucht. Zudem war Meckesheim der Dienstsitz für die Handarbeitslehrerin. Sie betreute aber nicht nur die Schule in Meckesheim sondern auch diejenigen in Mönchzell, Schatthausen, Bammental, Waldhilsbach, Wiesenbach und Mauer. Dorthin ging die Handarbeitslehrerin zu Fuß.

Die Meckesheimer Strick- und Nähschule

Bereits am 30. November 1807 war in Meckesheim auf behördliche Anordnung eine sogenannte „Strick- und Nähschule“ eingerichtet worden. Alle Mädchen mussten diese ab dem 10. Lebensjahr besuchen. Der Unterricht dauerte vom Dezember bis zum 1. April. Das Unterrichtslokal befand sich in der Behausung der Lehrfrau, später im Schulhaus. Bezahlt wurde die Handarbeitslehrerin mit einem Jahresgehalt von 5 Gulden und 30 Kreuzern, ein halb Klafter Eichenholz und einige Holzwellen. Die erste Handarbeitslehrerin war die Bürgerstochter Katharina Zimmermann.

Meckesheimer Gemeinchaftsschule

In Meckesheim gibt es seit 2016 eine Gemeinschaftsschule. So ist die dortige Grundschule im Ganztagsbetrieb. In Mönchzell gibt es eine Grundschule mit Regelschulbetrieb.

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