Bericht über die Gemeinde Meckesheim aus dem Jahr 1960

Das Bürgermeisteramt Meckesheim verfasste am 18.10.1960 einen Bericht für die „Detailplanung im Raum Nordbaden“. Er stellt eine komplette Bestandsaufnahme der Gemeinde für das Jahr 1960 mit den Vorhaben für die Zukunft dar. Aus heutiger Sicht ist es interessant zu lesen, was man vorhatte und letztlich umsetzen konnte. Der Bericht wurde vom damaligen Ratschreiber und späteren Bürgermeister Friedrich Soine verfasst.

Die Planungen

An Planungen waren damals für Meckesheim vorhanden

  • Ein Übersichtsplan (= Flächennutzungsplan / Vorbereitender Bauleitplan) aus dem Jahr 1954. Er war für die „wohnbauliche Entwicklung“ der Gemeinde aufgestellt worden. Der Plan wurde „wegen der zischenzeitlich eingetretenen vielen Veränderungen“ als ergänzungsbedürftig angesehen.
  • Ein Gesamtwässerungsplan
  • Ein Wasserversorgungsplan gemeinsam für den Zweckverband Meckesheim-Mönchzell als Gruppenwasserversorgung.
  • Vier Bebauungspläne für vier Baugebiete in Meickesheim von 1938 bis 1960
  • Ein Bebauungsplan für das Inudstriegelände Gewann „Hosenäcker“, „Oberes Bemannsbruch“ war in Auftrag gegeben
  • Ebenso ein Bebauungsplan für das Baugelände Gewann „Rohrbächle“ mit 50 bis 60 Bauplätzen
  • Und schließlich war ein Bebauungsplan für das im Zuge der angeordneten Flurbereinigung vorgesehen Bauvorratsgelände mit 300 bis 400 Bauplätzen in Auftrag gegeben worden.

Die Einwohner

  • Dezember 1958 = 2709 Einwohner
  • Dezember 1959 = 2763 Einwohner
  • September 1960 = 2821 Einwohner

Aufgrund der zentralen Lage von Meckesheim mit seiner Bedeutung im Elsenz-, Schwarzbach- und Lobbachtal wurde mit einer laufenden Bevölkerungszunahme von jährlich rund 100 Personen gerechnet. Man ging davon aus, dass sich „im Laufe der Zeit“ die Einwohnerzahl zwischen 3000 und 4000 „belaufen“ werde.

Die Ausdehnung des Ortes

Für neue Wohngebiete („Bauvorratsgelände“) waren rund 20 Hektar ausgewiesen.

Die Ausdehnung erstreckte sich „vornehmlich auf Südwesten, weiterhin auf die nördlichen, östlichen und späterhin auch westlichen Berghänge.“

Das Industrieglände

In den zurückliegenden „letzten Jahren“ waren 2,5 Hektar Industriegelände erschlossen worden. Es bestünden genügend Erweiterungs- und Ausdehnungsmöglichkeiten mit Flächen in mehreren Hektar.

Die Wohnungen

Zum Kriegsende 1945 waren 11 Wohnungen zerstört.

In den 15 Jahren seit Kriegsende waren 230 Wohnbauten mit 400 Wohnungen gebaut worden.

Als wohnungssuchend waren „noch 100 Familien gemeldet“.

Notwohnungen gab es keine. Behelfswohnungen fünf an der Zahl.

Die Beschäftigten

  • Auspendler 1958 = 496
  • Auspendler 1959 = 454 (Heidelberg 188, Mannheim 61, Neckargemünd 29, Sinsheim 14)
  • Einpendler 1958 = 350
  • Einpendler 1959 = 384 (Mönchzell 50, Spechbach 23, Waibstadt 31, Zuzenhausen 35, Mauer 21, Eschelbronn 28, Hoffenheim 18)

1959 waren in Meckesheim 812 Arbeitnehmer in gewerbesteuerpflichtigen Betrieben beschäftig.

Die Betriebe

Im Bericht sind nur die Industrie- und Handwerksbetriebe mit fünf und mehr Beschäftigten gelistet:

  • Gebrüder Ditzel AG, Zündholz und Wachswarenfabrik 304 Arbeitnehmer
  • Caressa Werk Karl Müller, Lederwarenfabrik 160
  • Kehr KG, Konservenfabrik 130
  • Deti, Hans Matzura, Gummiwarenfabrik 67
  • Gebrüder Kirsch, Landmaschinenfabrik und Handel 49
  • Oskar Herbold, Maschinenfabrik 42
  • Jos. Dörzbach Söhne, Inhaber Schunter, Baugeschäft 36
  • Jos. Vögele AG, Zweigwerk Meckesheim, Maschinenfabrik 31
  • Landwirtschaftliches Lagerhaus eGmbH 26
  • Karl Müller, Zündholzgroßhandlung 20
  • Sero Pumpenfabrik GmbH 20
  • Cera, Wilhelm Betz, Wachswarenfabrik, 13
  • Elektrizitätswerk Bammental, Bezirksstelle Meckesheim 12
  • Herbert Schmitt, Baugeschäft 11
  • Betonwerk GmbH 9
  • Konrad Kreß, Mühlenbauanstalt 6
  • Brauerei Mall 5
  • Karl Rutsch, Glaserei 5

Bis auf einzelne Betriebe, wie z.B. die Firma Herbold, waren überall Erweiterungsmöglichkeiten für die Firmen gegeben.

Die Firmen Caressa-Werk, Sero und Deti waren seit 1945 angesiedelt worden.

Da es sich bei den Firmen Ditzel, Caressa, Kerh und Deti „in der Hauptsache um Frauenbetriebe handelt, sind zur Neuansiedlung noch Männer = Facharbeiterbetriebe wünschenswert“, stellt der Bericht fest.

Die Backwarenfabrik lag seit ihrem Konkurs 1953 „noch still“.

Die Landwirtschaft

In Meckesheim trieben 1960 noch 102 Familien Landwirtschaft. An landwirtschaftlichen Vollbetrieben gab es 1960 noch 52 Stück, nämlich:

  • 5 bis 10 ha = 26 Betriebe
  • 10 bis 20 ha = 22 Betriebe
  • über 20 ha = 4 Betriebe
  • Durchschnittszahl der Flurstücke eines Betriebs: über 50

Es gab noch zusätzlich 50 Kleinbetriebe, deren Inhaber im Hauptberuf einer anderen Tätigkeit nachgingen. Die Fläche dieser Nebenerwerbsbetriebe lag zwischen einem halben und zwei Hektar.

Die Gemarkung erschien dem Berichterstatter genügend groß, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten. „Auslaufende Betriebe“, also kleinere Betriebe und solche ohne Nachfolger, seien vorhanden.

Die Flurbereinigung war im August 1959 angeordnet worden. Mit der Neu- und Zuteilung der bereinigten Flurstücke wurde für 1962/63 gerechnet.

Damals begann die Aussiedlung der Höfe. So waren im Rahmen der Flurbereinigung Aussiedlungen vorgesehen, nämlich „8 bis 12 Aussiedlerhöfe in 2 Weilern im Westen und Nordosten der Germarkung.“

Ein Siedlerhof (Einhaussiedlung Zimmermann) war 1960 schon im Bau. Die Hofstellte sollte bis zum Frühjahr 1961 fertig sein.

Im Zuge der Flurbereinigung war auch eine Gemeinschaftsobstanlage vorgesehen. Es hatten sich rund 70 Teilnehmer mit einer Fläche von rund 18 Hektar angemeldet.

Die Bodenbeschaffenheit wurde in den Tallagen als gut eingestuft. Die vielen Hügel hätten natürlich „leichte Höhen.“

  • Hektarsätze für Meckesheim: 2000, 2230 und 2420 DM
  • Anbau Winterweizen 180 ha
  • Anbau Wintergerste 8 ha
  • Anbau Sommergerste 45 ha
  • Anbau Hafer 48 ha
  • Anbau Sommermenggetreide 12 ha
  • Anbau Körnermais 3 ha
  • Anbau Frühkartoffel 3 ha
  • Anbau mittelfrühe Kartoffel 9 ha
  • Anbau Spatkartoffel 63 ha
  • Anbau Zuckerrüben 33 ha
  • Anbau Gemüse (Erbsen, Bohnen und Gurken für die ortsansässige Konservenfabrik) 8 ha
  • Tabak (1960 Blauschimmelbefall) 8 ha
  • 73 Pferde
  • 521 Rinder, davon 204 Kühe,
  • 674 Schweine
  • 46 Ziegen
  • Traktoren 37
  • Mähdrescher 5

Der öffentliche Nahverkehr

  • Zugverbindung über Neckargemünd nach Heidelberg und Sinsheim, sowie Eschelbronn – Obrigheim. Eilzughalt in Meckesheim. Gute Streuung über Tag. Knotenpunkt der Bundesbahn.
  • Bahnhof liegt zwischen Alt- und Neuort.
  • Omnibusverbindung nach Mönchzell.
  • Bahnbusse nach Heidelberg, Sinsheim und Obrigheim.

Die Volksschule

Es war eine Volksschule mit 8 Klassen vorhanden. Geplant und „dringend erforderlich“ war ein Schulhausneubau mit 13 bis 14 Unterrichtsräumen.

Für späterhin sei entsprechend der günstigen Lage von Meckesheim eine „Mittelschule“ vorgesehen. 1960 wurden von den Kindern die Gymnasien in Heidelberg und Sinsheim besucht.

Der Kindergarten

In Meckesheim gab es 1960 einen Kindergarten dessen Träger die Evangelische Kirchengemeinde Meckesheim war. Die Aufnahmekapazität wurde mit 100 bis 120 Kindern von 2 bis 6 Jahren angegeben.

Die Kirchen

Meckesheim hatte 1960 folgende Kirchen

  • evangelische
  • katholische (Neubau geplant)
  • neuapostolische

Die Behörden

An Ämtern und Behörden gab es 1960 in Meckesheim das

  • Bürgermeisteramt
  • Postamt
  • Bahmeisterei und Bahnhof
  • Landespolizeiposten
  • Spar- und Kreditbank eGmbH (1959 Jahresumsatz 53 Millionen DM).

Die Infrastruktur

Meckesheim besaß 1960

  • Turn- und Festhalle der Gemeinde Meckesheim mit 200 bis 250 Sitzplätzen
  • Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Meckesheim, erbaut 1959/60, mit Sitzmöglichkeit für 600 Personen
  • Sport- und Fesplatz waren vorhanden
  • Das Schwimmbad entsprach nicht mehr den Erfordernissen. Eine Erweiterung oder gar Neubau sei „unumgänglich!“
  • Kino vorhanden
  • Theater wird in Heidelberg besucht
  • Die örtlichen Geschäfte wurden als reichhaltig eingestuft. Sie boten auch für die umliegenden Gemeinden Einkaufsmöglichkeiten. Die sonstigen Einkäufe würden von der Bevölkerung in Heidelberg und Mannheim getätigt.
  • Als Krankenhaus werde vornehmlich das in Heidelberg in Anspruch genommen. Seit einiger Zeit aber auch, vor allen Dingen von Kassenpatienten, das Kreiskrankenhaus Sinsheim.
  • Es gab 1960 zwei Ärzte
  • Zwei Zahnärzte
  • 2 Apotheken
  • 1 Krankenschwester (evangelische Kirchengemeinde).

Die Wasserversorung

erfolgte aus dem Tiefbrunnen im Lobbachtal durch die Gruppenwasserversorgung des Zweckverbandes für die Gemeinden Meckesheim und Mönchzell.

Die Abwasserbeseitung erfolgte durch Hauskläranlagen. Im übrigen herrsche hier ein „ländlicher Zustand“. Eine Zentralkläranlage sei geplant.

Rund 45 Prozent der Meckesheimer waren an das neu gebaut Kanalnetz angeschlosen.

Die Müllabfuhr

erfolgte durch einen privaten Unternehmer, der von der Gemeinde bezahlt wurde. Der Müllplatz sei noch für 1 bis 2 Jahre ausreichend.

Die Probleme und Wünsche

  • Neubau einer Volksschule
  • Baugeländeerschließung
  • Friedhoferweiterung / Bau einer Leichenhalle
  • Weiterführung der Kanalisation
  • Bau einer Sammelkläranlage
  • Durchführung der Flurbereinigung mit Aussiedlung
  • Bau von Ortsstraßen
  • Erweiterung der Industrieasiedlung mit Männer = Facharbeiterbetriebe
  • Ausbau der Waldwege
  • Neubau Feuerwehrgerätehaus
  • Einbeziehung des sogenannten „Hinterlandes“ im Landkreis Heidelberg, also die Gemeinden Mönchzell, Lobenfeld und Spechbach. „Diese Gemeinden sollten künftig noch enger mit Meckesheim koordniert werden.“
  • Lobbachbegradigung.

Der Gemeinderat

Mecksheim hatte 1960 zehn Gemeinderäte, alles Männer:

  • Heiß
  • Ehehalt
  • Walter
  • Kucs
  • Pohl
  • Schmidt
  • Ditzel
  • Rokosch
  • Augsdörfer
  • Esslinger

Der Bürgermeister

war 1960 Herr Ludwig

 

 

 

 

 

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