Über die Meckesheimer Brücken, den Schürzenjäger aus München, Seide aus Mexe und den Lobbach-Damm

Die alte Holzbrücke stand schon im Dreißigjährigen Krieg

Meckesheim lag eh und je an der Straße, die von Neckargemünd nach Heilbronn führte. Bis 1782 führte eine alte Holzbrücke über die Elsenz. Da die Ufer zu beiden Seiten der Elsenz sumpfig waren, wurden Pfähle oder ganze Baumstämme senkrecht eingeschlagen, um einigermaßen festen Grund zu bekommen. Zum Bau der alten Holzbrücke wurde nur Eichenholz verwendet. Um die Lebensdauer der Meckesheimer Elsenzbrücke zu verlängern wurde über die Brücke ein Dach gebaut. Dieser alte Holzübergang hat selbst den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) überdauert und wurde erst um 1782 durch einen Bau aus Stein ersetzt.

1782 kam die Brücke aus Stein

Diese steinerne Brücke kam halb freiwillig, halb unter dem Druck der kurpfälzischen Regierung zustande. Auf der Brücke musste nämlich ein Denkmal des prachtliebenden und verschwenderischen Kurfürsten Karl Theodor errichtet werden. So verlangte es der Kurfürst.  An der nun steinernen Elsenzbrücke am Standort des heutigen E-Werks kam schon Johann Wolfgang Goethe 1797 mit der Postkutsche vorbei und befuhr die Chaussee, eine erste befestigte Straße, die unter Kurfürst Carl Theodor errichtet wurde.

carltheodor

Carl Theodor der Schürzenjäger

Carl Theodor versuchte in seiner Prunksucht den Sonnenkönig Ludwig XIV. nachzuahmen. Vielleicht ahnte er, dass man ihm nach seinem Tod keine Denkmäler setzen würde. Er war wegen der erdrückenden Lasten, die er der Bevölkerung auferlegte, wenig beliebt. Seine Verschwendungssucht und seine „Kebsweiberwirtschaft“ waren sprichwörtlich. Kebsweiber nannte man die Konkubinen bzw. Mätressen, die sich der Schürzenjäger Carl Theodor hielt. Seine Hofbeamten mussten oft lange auf ihr Gehalt warten, manchmal vergebens. Da die Beamten ihre Familien aber irgendwie durchbringen mussten, hielten die sich ihrerseits durch unredliche Vetternwirtschaft an den Bevölkerung schadlos. Die Kurpfalz war als korrupter Staat weithin bekannt. Die Bevölkerung war darüber natürlich empört. Die Bauern in Meckesheim und Umgebung ließen kein gutes Haar am kurfürstlichen Beamtenapparat. Das Misstrauen gegen die Beamten rührt vornehmlich aus dieser Zeit her und ist heute noch nicht aus den Köpfen der Bevölkerung verschwunden.

Die Inschrift auf dem Denkmal

Unter dem Kopfbild des Kurfürsten steht auf der Meckesheimer Elsenzbrücke folgende lateinische Inschrift:

Hanc Viam. Caroli Theodori E.P.D.B. Auspiciis stra Tam Esse. Commercio Subelvando Itinerisbusque. Percgrinantium Facilitand is Grato Animo. Recognosdit, Monumentum isthoc Erigens. Centena Meckesheimensis. Anno Domini MDCCLXXXII

Ins Deutsche übersetzt heißt das:

Diesen Weg stellte her unter der Regierung des fürsorglichen Kürfürsten, Fürsten und Herzog von Bayern. Karl Theodor. Zur Hebung des Handels und zur Erleichterung der Märsche in dankbarer Gesinnung die Cent Meckesheim und errichtete dieses Denkmal im Jahre des Herrn 1782.

Seide aus Meckesheim

Im Zuge des Brückenbaus wurde auch die Straße nach Sinsheim verbessert und auf beiden Straßenseiten mit Pappeln bepflanzt. Bei der Anlage der Straße durch den Meckesheimer Ort wurde von der kurpfälzischen Regierung angeordnet, dass die Straßenränder mit Maulbeerbäumen zu bepflanzen warne. Die Gemeinde Meckesheim kaufte daher 180 weißblühender Maulbeerbäume für 12 Kreuzer das Stück. Das machte insgesamt 32 Gulden und 96 Kreuzer. Sie wurden 1781 gepflanzt. Die Maulbeerbäume wurden gepflanzt, damit die Meckesheimer Seidenraubenzucht trieben. Dies war vom Kurfürsten so gewünscht, damit die Adeligen mit Seide versorgt werden konnten. Seidene Kleider galten in Adelskreisen als der letzte Schrei. Da die chinesische Seide sehr teuer war, war es ein Steckenpferd des Kurfürsten die Seide im eigenen Land billiger herzustellen.

Die Brücke über den Krebsbach

Am 30. Juli 1800 wurde über den Abflusskanal, den Krebsbach, eine neue Brücke gebaut. Das Bauholz für die Rostlegung kam aus Ziegelhausen. Es waren 26 Forlenstämme und 72 Pfähle aus Eichenholz, jeder fünf Fuß lang.

Der Lobbach brachte immer Hochwasser

Auch über den Lobbach führte früher eine Holzbrücke, nämlich an der Eschelbronnerstraße,  Sie wurde 1820 durch eine Steinbrücke ersetzt. Noch heute führt dort eine Brücke den Autoverkehr über die Lobbach, deren Verlauf auf dem Foto durch die Bäume zu erkennen ist.

lobbachbrucke

Der Kostenaufwand für die Lobbachbrücke betrug 1820 378 Gulden und 20 Kreuzer. Die alte Lobbachbrücke wurde 1937 abgetragen.

lobbachbruckeeschelbronnerstraseDem Lobbach – wir Einheimischen sagen heute noch „die“ Lobbach -, mussten die Meckesheimer mehr Aufmerksamkeit schenken als Elsenz und Schwarzach. Fast jedes Jahr brachte der Lobbach bei der Schneeschmelze Hochwasser ins Dorf. Der Lobbach überschwemmte das ganze Dorf. Erinnert sei nur an das Große Hochwasser von 1806 als das Wasser bis zu 1,50 m hoch in der Meckesheimer Zehntscheuer stand.

Der Lobbach-Damm

Um der vom Lobbach drohenden Gefahr Herr zu werden, errichtete die Gemeinde Meckesheim 1803 einen Damm. Dieser führte von der Luisenstraße (der früheren Mühlgasse) bis zum Elektrizitätswerk (frühere Wernersche Mühle). Die Bauzeit dauerte vier Jahre, also bis 1807. Es waren 4000 Erdfuhren für den Dammbau erforderlich. Damit für die  die Gemeinde Meckesheim keine Unkosten anfielen wurde der Dammbau im Frondienst unter Schultheiß Georg Peter Maurer erstellt.

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