Die Mönchzeller Lutheraner – Schon seit 1529 – Auch die Lutherischen aus Meckesheim gehörten zu Neckargemünd

Luther wurde in unserer Heimat vor allem durch seine Heidelberger Disputation bekannt geworden.Die Heidelberger Disputation (lat. disputare „auseinandersetzen“, „erörtern“) war ein im April 1518 von Martin Luther geleitetes wissenschaftliches Streitgespräch in der Heidelberger Universität.

Zwar förderte der damals herrschende Pfalzgraf Ludwig V., der von 1508 bis bis 1544 regierte, Luthers Lehre nicht. Es gab aber niederadelige Orte, in denen das Luthertum trotzdem Fuß fasste, z.B. in Mönchzell. Dort herrschte von 1528 bis 1555 Carl von Zandt. Er hatte das Lehen Mönchzell für 1425 Rheinische Gulden (= heutige Kaufkraft von 473.881 € nach dem Mittelalter-Rechner) erworben. Zandt führte das lutherische Bekenntnis in Mönchzell ein, also 1529 oder in den 1530er Jahren. Die Zandtschen Vogtsjunker konnten es gegen alle Einsprüche der  Kurpfalz bewahren. Nur während des Dreißigjährigen Kriegs setzte 1631 der bayerische Amtsmann auf dem Dilsberg zeitweilig einen katholischen Geistlichen ein. Die lutherische Kirche lag damals noch im Schlosshof oberhalb des Gutsgebäudes. Das Luthertum hat an Elsenz und Lobbach schon früh zahlreiche Anhänger gefunden. Vor allem beim Niederadel. So wurden viele Gemeinden lutherisch, in denen lutherisch gesinnte Herren das Besetzungsrecht der Pfarrei innehatten. Von Neckarsteinach hielt der lutherische Gottesdienst schon 1527 seinen Einzug. Ähliches lässt sich in den vogsjunkerlichen Orten des Kraichgaus beobachten. Hier ließen die Pfalzgrafen trotz ihrer Hoheitsrechte den lutherischen Ortsadel gewähren. Interessanterweise waren auch die hohen Beamten am kurpfälzischen Hof überwiegend lutherisch und ließen sich vom Konfessionswechsel der Pfalzgrafen kaum irritieren. Die neuen Lutheraner in den kurpfälzischen Gemeinden kamen aber nicht nur aus den ritterschaftlichen Orten der Meckesheimer oder Reichartshauser Zent, sondern auch aus Hessen und aus Württemberg, aus dem Erbachischen und dem Badischen.

Die Lutheraner in Meckesheim und Mönchzell gehörten zur lutherischen Kirche Neckargemünd. Die lutherische Gemeinde Neckargemünd hatte sich in dem Augenblick formiet, in dem der katholische Kurfürst Johann Wilhelm 1698 das Simultaneum verfügte. Mit Simultaneum bezeichnet man die gemeinsame Benutzung der Kirchen und des Kirchenvermögens durch Reformierte (= Calvinisten), Lutheraner und Katholiken. Das Simultaneum führte in den reformierten Gemeinden der Kurpfalz, in denen jetzt lutherische und katholische Bürger Ansprüche erhoben, zu allergrößter Zwietracht. In Neckargemünd konnte der erste lutherische Gottesdienst seit der Schwedenherrschaft im Dreißigjährigen Krieg (1632 bis 1635) am 12.12.1698 stattfinden. Die Lutheraner in Neckargemünd wurden damals noch von Neckarsteinach aus betreut. Obwohl die Neckargemünder Lutheraner vom Neckarsteinacher Pfarrer aus betreut wurden, bildete Neckargemünd doch einen eigenen Bezirk mit mehreren Filialen. Der Umfang des Pfarrbezirks wechselte mehrfach und richtete sich nach dem Wohnort des Geistlichen. Zunächst gehören Waldhilsbach, Gaiberg, Bammentel, Reilsheim, Wiesenbach, Langenzell, Dilsberg, Mückenloch, Schönau und Heddesbach, dann aber auch Waldwimmersbach, Meckesheim und Zuzenhausen, Spechbach und Mönchzell als Filialen dazu. 1705 zählte der lutherische Pfarrbezirk Neckargemünd insgesamt 473 Seelen. Die meisten Gemeindemitglieder waren in Neckargemünd ansässig, größere Gruppen gab es auch in Bammental (36), Dilsberg (35), Wiesenbach (33) und Meckesheim (32). Als den Lutheranern von Kurfürst Johann Wilhelm 1705 die Benutzung der reformierten Kirchen versagt wurde, mussten sie mit ihren Gottesdiensten in Gastwirtschaften oder Privathäuser ausweichen. Kirchen mussten die Lutheraner selber finanzieren, da sie – im Gegensatz zu den Katholiken – seit 1706/1707 von einer Beteiligung am Pfälzischen Kirchenvermögen ausgeschlossen waren. So hatten sie auch bei der Einrichtung ihrer Schulen große finanzielle Opfer zu erbringen und bezahlten ihren Pfarrer aus eigenen Mitteln. Pfarrhäuser gab es nicht. Die lutherischen Pfarrer wohnten zur Miete. In den Filialgemeinden feierten die Lutheraner ihre Gottesdienste, lediglich in Spechbach stand ihnen das Rathaus zur Verfügung.

Eine Statistik aus dem Jahr 1736 vermittelt uns zuverlässige Daten zur Größe der Filialgemeinden. Insgesamt zählte man 1736 im Neckargemünder Pfarrbezirk 889 lutherische Seelen: In

  • Neckargemünd 281
  • Spechbach (mit Mönchzell) 100
  • Schönau 95
  • Mückenloch 70
  • Meckesheim 66
  • Dilsberg 61
  • Waldwimmersbach 59
  • Wiesenbach 54
  • Bammental 42
  • Gaiberg 34
  • Waldhilsbach 27
  • Lobenfeld 23
  • Langenzell 21
  • Neckarhausen 15
  • Biedersbacherhof 4

Eine feste Besoldung für die lutherischen Geistlichen gab es erst seit der Religionsdeklaration des Kurfürsten Maximilian Josef im Jahr 1799. Im Sinne der Gleichberechtigung der Konfessionen wurde das pfälzische Kirchenvermögen realgeteilt.

 

 

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