Bis nach 1880 drehten die Nachtwächter in Meckesheim ihre Runden

Wegen der Gefahren des Dreißigjährigen Krieges und der Folgezeit war man in den Dörfern gezwungen bei Tag und bei Nacht Wachtposten aufzustellen. Das herumziehende Soldatengesindel plünderte zu jeder Tag- und Nachtzeit. Später reduzierte sich der Wachdienst auf die Nachtwache. Wie alle anderen Dörfer hatte auch Meckesheim seine Nachtwächter. Die Anzahl wechselte. Die Meckesheimer Nachtwächter hatten in der Wachstube im Rathaus ihre Unterkunft. 1818 wurde für die Nachtwächter das heute noch stehende Wachhaus gebaut. Der Anstoß zum Bau des Wachhauses kam vom damaligen Schultheiß Friedrich Raußmüller, der von 1814 bis 1828 die Geschicke des Orts prägte.

Ausgerüstet waren die Nachtwächter mit einem Spieß, einer Laterne und einem Horn, das heute noch auf dem Ratshaus zu sehen ist. Ein Hund begleitete sie auf ihren Nachtrunden, die stündlich stattfand. Der Dienst begann abends um 22 Uhr und dauerte bis 4 Uhr morgens. Auf ihrem Rundgang durch Meckesheim reifen die Nachtwächter die Uhrzeit aus. Dazu wurde an bestimmten Plätzen Halt gemacht, dreimal ins Horn geblasen und zu jeder Stunde ein Spruch aufgesagt:

Um 10 Uhr abends (22 Uhr):

  • Zehn Gebote schärft Gott ein, ach, lass uns gehorsam sein.

Um 11 Uhr (23 Uhr):

  • Elf der Jünger blieben treu, habt acht, dass bei euch kein Abfall sei.
    oder
    Elf Uhr sprach der Herr das Wort, gehn wir in den Weinberg fort.

Um 12 Uhr (24 Uhr):

  • Zwölf Uhr ist die letzte Stund, Herr, mach uns Deinen Willen kund.

Um 1 Uhr:

  • Eins ist not zu dieser Frist, gedenke, dass Du sterblich bist.

Um 2 Uhr:

  • Zwei Wege hat der Mensch vor sich, Herr, den schmalen führe mich.

Um 3 Uhr:

  • Der göttlichen Dreifaltigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Bis 1830 bekamen die Nachtwächter ihren Lohn in Naturalien (Essen) ausgezahlt. Danach wurden sie mit Geld entlohnt. In den 1880er Jahren war es dann in Meckesheim zu Ende mit der Nachtwächterei.

Die Rathausakten von 1804 verraten uns, dass die Nachtwächter selbst ebenfalls überwacht wurden, nämlich dahin, ob sie ihren Dienst ordentlich verrichteten. Die Kontrolle der Nachtwächter oblag im Vierzehn-Tage-Rhythmus

  • Montag: Gerichtsschreiber Kilian
  • Dienstag: Jakob Rausmüller
  • Mittwoch: Daniel Zimmermann
  • Donnerstag: Gerichtsmann Mitzel
  • Freitag: Zehntmeister Ganzhorn
  • Samstag: Gerichtsmann Michael Müller
  • Sonntag: Georg Kirsch
  • Montag: Gerichtsmann Trost
  • Dienstag: Friedrich Bähr
  • Mittwoch: Konrad Müller
  • Donerstag: Ernst Welker
  • Freitag: Georg Peter Fabian
  • Samstag: Friedrich Roth
  • Sonntag: Nikolaus Schleich

 

 

 

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