Wie die Kurpfalz organisiert war

Die Verwaltungs-Pyramide

  1. Ganz oben stand der Kurfürst. 
  2. Unter ihm standen die Landeszentralbehörden als Oberinstanz.
  3. Dann kamen die Oberämter als Mittelinstanz der Verwaltung
  4. Größere Oberämter waren nochmals unterteilt in Ämter, Vogteien, Kellereien oder Zenten, wie zum Beispiel die Meckesheimer und die Reichartshausener Zent.
  5. Ganz unten stand die Gemeinde, die entweder der Kurpfalz unterstand oder eine adelige Grundherrschaft hatte.

1. Seine Durchlaucht der Kurfürst

war im Prinzip der König in seinem Land. Er war der Landesherr und bestimmte die Grundsätze der Politik. Er unterschrieb mit „.S.E.“. Das ist ein Abkürzung für das Lateinische Serenissiumus Elector und bedeutet „Seine Durchlaucht der Kurfürst“. Man könnte ihn  heute mit dem Bundeskanzler vergleichen, obwohl er nicht gewählt war und viel mehr Macht hatte. Er war der Boss. Vor ihm kuschten alle. So bestimmte er auch, welche Gesetze gemacht wurden.Er war in seiner Machtausübung von Landständen nicht beschränkt. Landstände spielten in der Kurpfalz nur für eine kurze Zeit im 16. Jahrhundert eine unwesentliche Rolle. Der Kurfürst bestimmte auch, was in der Verwaltung geschah. Er hatte alle Gewalt. Es gab also keine Gewaltenteilung wie heute. Das war für die Kurpfalz vor allem dann sehr schlecht, wenn es zu einem Wechsel des Kurfürsten kam. Je nachdem welchen Glauben, welche Politik oder welche familien-dynastischen Zwecke ein neuer Kurfürst verfolgte, änderte sich alles mit einem Schlag.

2. Der Geheime Rat und die Zentralbehörden

2.1 Der Geheime Rat

Im Geheimen Rat saßen die obersten Beamten des Kurfürsten. Sie waren seine Helfer, die seine Anweisungen um- und durchsetzten. Wenn man den Fürst mit einem General vergleicht, waren die Geheimen Räte die obersten Offiziere. Der Geheime Rat war ein Kollegium von Räten, das unmittelbar dem Fürsten unterstand und meist unter dessen Vorsitz über die wichtigsten Landesangelegenheiten beschloss. Durch den Geheimen Rat ließ der Kurfürst seine Beschlüsse der zuständigen Zentralbehörde zur weiteren Ausführung mitteilen. Die Mitglieder des Geheimen Rats nannten sich Geheimrat. Seit Carl Theodor 1778 die Residenz von Mannheim nach München verlegt hatte, amtierte der Geheime Rat in München, wo sich seither auch alle Akten befinden (im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München).

2.2 Die Zentralbehörden

Die Zentralbhörden waren nach Fachgebieten aufgegliedert. So gab es zum Beispiel den „Hohen Regierungsrat“, der auch „Hofrat“ genannt wurde. Jetzt wisst ihr, wo der heute noch gebräuchliche Beamtentitel „Regierungsrat“ herkommt. Aus einer undemokratischen Zeit. Schließlich gab es noch die „Hofkammer“, die für die Finanzen zuständig war.

3. Die Oberämter

entsprachen von der Bedeutung her den heutigen Landkreisen. Das Oberamt Heidelberg hatte in der rechtsrheinischen Pfalz den größten Bezirk zu betreuen. Er umfasste 1783 einschließlich Mannheim 13.737 Familien mit 79.033 Einwohnern (die man damals noch „Seelen“ nannte). Darunter befanden sich 67 mennonitische und 428 jüdische Haushalte. Der Amtsvorstand hatte die Stellung eines Hofrats.

Dem Oberamt Heidelberg waren die Städte Heidelberg, Mannheim, Schönau, Weinheim, Wiesloch und die Kellerei Waldeck, Hedesbach und Wilhelmsfeld. Die übrigen Ortschaften gehörten zu vier Zenten als Unterinstanzen, nämlich zur

  • Kirchheimer Zent
  • der Meckesheimer Zent mit dem Amtssitz in Neckargemünd
  • der Schriesheimer Zent mit Amtssitz in Waldeck
  • der Reichartshauser Zent.

Zur Meckesheimer Zent gehörten 1786/88

  • Angelloch = Gauangelloch, das dem Freiherrn von Bettendorf gehörte
  • Baiertal, das teilweise den Freiherren von Bettendorf, von Leoprechting und von Uexküll gehörte
  • Bammental mit Reilheim
  • Daisbach, das dem Freiherrn Göler von Ravensburg gehörte
  • Dilsberg
  • Eschelbrunn = Eschelbronn unter dem Freiherren von Venningen
  • Gäuberg = Gaiberg
  • Hilsbach = Waldhilsbach
  • Langenzelle  = Langenzell, das dem Freiherrn von Wrede gehörte
  • Lobenfeld
  • Mauer unter den Freiherren von Bettendorf und ab 1733 von Zyllenhardt
  • Mecksheim
  • Mönchzell unter den Freiherren von Uexküll
  • Mückenloch
  • Schatthausen, das den Freiherren von Brüggen gehörte und 1794 an die von Zyllenhardt überging
  • Spechbach unter den Freiherren von Venningen
  • Waldwimmersbach
  • Wiesenbach
  • Zuzenhausen unter den Freiherren von Venningen

Es waren insgesamt 22 Ortschaften, zum Teil unter ritterlicher Herrschaft (GLA 61/8228-35 (Stadtrat 1689 – 1702); Zent 61/7744).

Zur Reichartshauser Zent gehörten:

  • Aglasterhausen
  • Asbach
  • Bargen
  • Breitenbronn
  • Daudenzell unter den Freiherren von Gemmingen
  • Epfenbach, das teilweise Wambold von Umstadt und teilweise von Rottorf und ab 1785 den von Zandt gehörte
  • Flinsbach unter den von Hemstett und ab 1780 von Rodenstein
  • Guttenbach
  • Haag
  • Helmstadt unter den Freiherrn von Berlichingen
  • Moßbrunn = Moosbrunn unter Graf von Degenfeld (1764)
  • Neunkirchen
  • Ober- und Niederschönbrunn
  • Reichenbach
  • Reichartshausen (unter den Freiherren von Stockmar)
  • Schwanheim, von dem 1/6 den von Berlichingen und 176 Schmitz von Auerbach gehörte
  • Schwarzach

Die Reicharthauser Zent, die auch Stüber Zent genannt wurde, umfasste 20 Orte.

4. Die Zenten

waren alte Gerichtsbezirke („Hundertschaften“), die in kurpfälzischer Zeit noch für Rüggerichte und kleine bürgerliche Rechtsshändel zuständig waren.

5. Gemeinden und adelige Grundherren

Die adeligen Grund- oder Ortsherren verwalteten ihre Orte entweder selbst oder durch Amtmänner. Sie hatten niedergerichtliche Befugnisse, die sie am Ortsgericht ausübten. Sie arbeiteten für ihren örtlichen Bereich ebenso wie kurfürstliche Ämter oder Oberämter. Sie verkehrten mit diesen und den Landeszentralbehörden auch direkt. Ob das Recht der Adelsherrschaften auf Eigentum oder Belehnung beruhte, machte keinen Unterschied. Die Territorialhoheit beanspruchte in jedem Fall der Kurfürst.

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