Wie Pfalzgrafens Töchterlein Agnes‘ Liebe an der Elsenz alles durcheinander brachte (13. Jh.)

„Kaiser Rotbart lobesam“ hatte alles so clever eingefädelt. Der Stauferkaiser hatte unsere Gegend, den sogenannten Wimpfener Bannforst, seinem Halbbruder Conny geschenkt, der als Pfalzgraf Konrad und Gründer von Heidelberg in die Geschichte eingehen sollte. Das Territorium des Pfalzgrafen war die Brücke vom schwäbischen Stauferland zur heutigen Pfalz, die ebenfalls unter staufischer Herrschaft stand. Also alles voll im Griff. Von wegen.

Es passierte nämlich etwas, womit keiner gerechnet hatte: Im 13. Jahrhundert brach die Pfalzgrafschaft als Glied aus dem staufischen Machtblock heraus. Schuld war die starke Liebe einer jungen Frau. Die Pfalzgrafschaft wurde kurze Zeit welfisch und dann bis zum Ende der Kurpfalz bayrisch. Ende des 12. Jahrhunderts heiratete nämlich die Tochter unseres Heidelberger Konrads, die schöne Agnes, heimlich Heinrich von Braunschweig. Das war unerhört. Ihr Bräutigam Heinrich gehörte nämlich der verfeindeten Familie der Welfen an. Aber wie das eben so ist. Wo die Liebe hinfällt, ist kein Kraut dagegen gewachsen. „Wer kann der Liebe wehren?“, dichtete der deutsche Dramatiker Grabbe über die romantische Geschichte. In einem seiner beiden Dramen über die Hohenstaufen ist Agnes das resolute Mädchen,  das ohne jede Rücksicht auf die hohe Politik ihren  Anspruch auf ihr Liebesglück durchsetzt und am Schluss sogar noch Welfen und Staufer versöhnt. Der Dichter hat in seinem Drama nicht übertrieben, aber den wichtigen Beitrag ausgelassen, den Agnes’ Mutter Irmgard zur ganzen Geschichte geleistet hat. Der Kaiser plante nämlich Agnes aus politischem Kalkül an den elf Jahre älteren Franzosenkönig Phillip zu verheiraten. Ehe es dazu kommen konnte, griff aber die beherzte Mutter ein. Irmgard nutzte eine Abwesenheit ihres Mannes Konrad („Conny“) und ließ den Welfenbräutigam auf die Burg Stahleck an den Rhein kommen. Dort veranstaltete sie am 5. November 1193 eine Hochzeit für die jungen Leute. Als der Kaiser dies erfuhr, geriet er zwar außer sich vor Wut, fand sich dann aber doch damit ab. Er erkannte schnell, dass sich aus dem „romantischen Ereignis“ (Leopold Ranke) wenn schon nicht außenpolitisch, so wenigstens innerhalb des Reiches Kapital schlagen ließ. Für den Ausgleich, den der Kaiser mit den Welfen später vereinbarte, haben Agnes und ihr Heinrich mit dem Hochzeits-Coup von Stahleck also ungewollt die Vorarbeit geleistet.  Agnes und Heinrich bekamen zwei Töchter; die jüngere, die ebenfalls Agnes hieß, wurde durch ihre Heirat mit dem Bayern-Herzog Otto II. zur Stammmutter des Hauses Wittelsbach, an das die Pfalzgrafschaft dann 1214 wiederum durch Erbschaft kam. Aberi Kadaberi und fort war sie –  die Pfalz, für die schwäbischen Staufer.

Immerhin waren die Wittelsbacher mit den Staufern befreundet. Die Wittelsbacher sind ein bayerisches Adelsgeschlecht: Sehr alt und sehr bedeutend für die Geschichte Europas und der Kurpfalz. Alle späteren Pfalzgrafen und somit auch die Kurfürsten von der Pfalz kommen aus dem Hause Wittelsbach. Man glaubt es kaum, aber die Wittelsbacher sollten über 700 Jahren, nämlich bis 1918 im Besitz der pfälzischen Territorien bleiben.

Nachdem Agnes‘ Liebe den Staufern einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, mussten sie aktiv werden. Sie setzten alles daran, dass unsere Gegend, der Wimpfener Bannforst, wieder an die Staufer kam. Das gelang ihnen spätestens 1220. Der Stauferkaiser Friedrich II. gab 1227 seinem Sohn Heinrich Band Wimpfen und die Burg Eberbach zu Lehen. Wimpfen und Eberbach waren jetzt die Eckpfeiler, welche die staufische Herrschaft am unteren Neckar und an der Elsenz sicherten. Um das neue Königsterritorium zu schützen legten die Staufer Reichsstädte an, nämlich Wimpfen, Mosbach, Eberbach, Neckargemünd, Sinsheim und Waibstadt. Aber auch Reichsburgen wie die Minneburg, Burg Stolzeneck, Schwarzach und Helmstadt. Die Reichsstädte und Reichsburgen schützten das neu geschaffene Reichsland an Elsenz und Neckar gegen die Pfalzgrafen. Das Schutzgebiet reichte mit Neckargemünd und der Reichsburg Reichenstein bis kurz vor die Tore Heidelbergs,  wo jetzt ein Bayer als Pfalzgraf saß.

AmtDilsberg01

Die Geschichte von Agnes könnt ihr übrigens hier kostenlos nachlesen:

https://books.google.de/books?id=3NQ-AAAAIAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

 

 

 

 

 

 

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