Als der Amtsschimmel noch in Neckargemünd wieherte

„Wie war vor Zeiten es doch schön, zum Amte nach Gemünd zu geh’n“. Unsere Vorfahren mussten noch nicht nach Heidelberg vorfahren, sondern gingen zu Fuß über den Neckargemünder Weg ins nahe gelegene Amtstädtchen Gemünd. Dort befand sich das Großherzlich-Badische Bezirksamt, das nahezu für alles zuständig war.

Das Bezirksamt Neckargemünd bestand bei seiner Auflösung 1857 aus den 23 Gemeinden Neckargemünd, Bammental, Dilsberg, Gaiberg, Gauangelloch, Haag, Lobenfeld, Mauer, Meckesheim, Michelbach, Mönchzell, Moosbrunn, Mückenloch,Neunkirchen, Oberschwarzach, Ochsenbach, Schönbrunn, Schwanheim, Spechbach, Unterschwarzach, Waldhilsbach, Waldwimmersbach und Wiesenbach. Zeitweise gehörten sogar 40 Gemeinden zum Amt, aber es wurde kaputt geschrumpft.

Wie Neckargemünd Amtstadt wurde

1803 wurde die alte Kurpfalz mit anderen Gebieten zur  badischen Pfalzgrafschaft vereinigt und von der Oberbehödre Mannheim verwaltet. Als untere Behörden entstanden aus dem dem kurpfälzischen Unteramt Dilsberg die Ämter Neckargemünd und Neckarschwarzach. Das Amt Neckargemünd entsprach dem Gebiet der alten Meckesheimer Zent. Mittlere Behörde war die sogenannte „Landvogtei Dilsberg“, die aber nicht mehr auf dem Dilsberg ihren Sitz hatte, sondern in Heidelberg, wo auch das Oberamt Heidelberg beheimatet war. Die Landvogteien gingen schon bald in den neu eingerichteten Kreisen auf. Das Neckargemünder Amt gehörte zum „Neckarkreis“ mit Sitz in Mannheim, und ab 1832 zum neu gebildeten Unterrheinkreis. Aus den Ämtern Neckargemünd und Neckarschwarzach wurden 1814 das Bezirksamt Neckargemünd gebildet.

Wie das Bezirksamt zu Tode geschrumpft wurde

Das Bezirksamt Neckargemünd umfasste zunächst 40 Gemeinden: Die Städte Neckargemünd und Waibstadt sowie alle Orte der füheren Meckesheimer und Reichartshausener Zent. 1832 musst Neckargemün infolge der Kreisreform mehrere Gemeinden an die Bezirksämter Neckarbischofsheim und Neudenau abgeben. Auch in den Folgenjahren schrumpfte das Amt weiter. Neckargemünd verlor immer mehr Aufgaben an Heidelberg. Da halten auch die zahlreichen Proteste der Bürger aus Neckargemünd und dem Umland nichts, die sogar bis vor den Landtag gingen. Das Amt umfasste 1845 nur noch 23 Gemeinden mit 15.159 Einwohnern. 1857 wurden in Baden Gerichte und Verwaltung getrennt. Bis dahin hatte die Verwaltung auch Recht gesprochen. Das Bezirksamt Neckargemünd wurde jetzt aufgelöst und dem Bezirksamt Eberbach zugeschlagen. Statt dessen wurde Neckargemünd Sitz eines der neu eingerichteten Amtsgerichte. Schon damals verstand sich die Politik auf Ausgleichsgeschenke.

Was in Neckargemünd erledigt wurde

Dem Bezirksamt Neckargemünd oblagen folgende Aufgaben:

  • Justiz,
  • Oberaufsicht über die Polizei
  • Kontrolle der Brücken und Landstraßen
  • Wasserzollamt,
  • Obereinnehmerei, was nichts anderes bedeutet als Ober-Steuer-Einnehmerei für den Pfalzgrafen
  • Domänen- und Forstverwaltung
  • Gemeine Wohlfahrt und Sicherheit
  • Bezirksgefängnis

Von diesen Aufgaben wurden im Laufe des Bestehens des Neckargemünder Bezirksamtes immer mehr Bereiche nach Heidelberg abgezogen: 1838 die Obereinnehmerei, 1841 die Forstverwaltung, 1843 das Wasserzollamt, nach 1844 die Domänenverwaltung.

Amtsvorsteher und Oberamtmänner

Leiter des Bezirksamts waren:

  • Amtsvorsteher Bachers (1804 bis 1811)
  • Amtsvorsteher Orff (1811 bis 1819)
  • Amtsvorsteher Lindemann (1819 bis 1840)
  • Oberamtmann Rüttinger (1840 bis 1848)
  • Oberamtmann Spangenberg (1848 bis 1851)
  • Oberamtmann Leers (1851 bis 1854)
  • Oberamtmann Bülster (1854 bis 1857)

1857 war Schluss

Das Bezirksamt Neckargemünd wurde 1857 aufgelöst und die ihm zugehörigen Gemeinden, zu denen auch Meckesheim und Mönchzell gehörten, dem Bezirksamt Eberbach zugeteilt.

Diese Zuteilung des Neckargemünder Amtes zum Bezirk Eberbach wurde von der Bevölkerung des Amtes Neckargemünd noch lange stark kritisiert, obwohl Amtstage in Neckargemünd abgehalten wurden.

Eberbach war zu weit weg

Das Heidelberger stellte am 15. November 1859 fest, „gar mancher Amtsuntergebene habe sich nicht entschließen können, seine Ansprüche in Eberbach zu verfolgen, da er die Kosten scheuen musste, die ihm ein solcher weiter Weg, zumal im Winter, jenseits des Neckars verursache. Zudem bestehe gar kein Geschäftsverkehr nach Eberbach. Wolle man das Verwaltungsamt in Neckargemünd nicht mehr herstellen, so teilt die diesseitige Bevölkerung nur einen Wunsch, den nämlich, dass sie dem Oberamt Heidelberg zugeteilt wird.“

Laut Heidelberger Tagblatt vom 9. März 1860 berichtete der Abgeordnete Schwarzmann der Zweiten Ständekammer des Großherzogtums Baden in Karlsruhe über die Bitte mehrerer Gemeinden, das Amt Neckargemünd wieder einzurichten. Die Kommission stellte den Antrag, die Bittschrift dem großherzoglichen Staatsministerium zu überweisen. Der Präsident der 2. Ständekammer Karl Junghanns empfahl der Regierung, das Amt Neckargemünd wieder herzustellen. Der großherzogliche Regierungskommissär erklärte hierauf, dass der Regierung die Missstände bekannt seien. Man habe bisher im Hinblick auf eine Wiedereinrichtung des Amts Neckargemünd noch keine Entscheidung getroffen, weil man abwarten wollte, ob die im Bau begriffene Eisenbahn diesen Klagen nicht abzuhelfen vermöge. Kammerpräsident Junghanns wünschte, dass die großherzogliche Regierung dieses Abwarten beenden möge, da man bereits wisse, welche Orte die Eisenbahn „berühren“ werde. Der Kommissionsantrag wurde hierauf angenommen.

Seit 1863 wiehert der Amtsschimmel in Heidelberg

Zu einer Wiedereinrichtung des Bezirksamtes Neckargemünd kam es zwar nicht mehr, aber 1863 wurde der Westteil des früheren Neckargemünder Amtes dem Oberamt Heidelberg angeschlossen.

Quelle: Wikipedia-Artikel Bezirksamt Neckargemünd von mir selbst eingestellt und bearbeitet

 

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