Kommt der Nibelungen-Held Ilsan aus Mönchzell?

Das Bild zeigt links den Mönch Ilsan im Kampf gegen Volker von Alzey rechts (Bild: wikipedia)

Ist „Münzegenzellen“ bzw. „Münchegezellen“ im „Lied vom Rosengarten“ aus dem 13. Jahrhundert das heutige „Mönchzell“? Das Wormser Rosengartenlied ist eine deutsche Heldensage, die im Zusammenhang mit dem bekannten Nibelungenlied steht. Eine wichtige Rolle spielt dabei der kämpfende Mönch Ilsan aus dem Kloster „Münzegenzelle„? Er besiegte 53 Kämpfer und durfte Kriemhild 53 mal küssen. Ist Münzegenzelle Mönchzell? Hatte Mönchzell also doch ein Kloster?

Nach einer Einführung könnt ihr hier die ausführliche Geschichte lesen.

Was sagt Lieblingstante Wiki?

https://de.wikipedia.org/wiki/Rosengarten_zu_Worms

Die Geschichte vom Rosengarten in Kurzform:

Kriemhild, die Tochter des Burgundkönigs Gibich, besitzt in Worms einen prächtigen Rosengarten, den zwölf Helden, darunter ihr Vater, ihre Brüder und ihr Verlobter Siegfried, bewachen. Kriemhild sendet eine Delegation  mit einem Herausforderungsbrief nach Bern. Jedem Sieger wird ein Rosenkranz und ein Kuss Kriemhilds versprochen. Die Herausforderung wird angenommen. Hildebrand bestimmt die Kämpfer, Dietleib und der Mönch Ilsan müssen erst herbeigeholt werden. In Worms werden sie von Gibich und Kriemhild empfangen. Hildebrand und Gibich rufen die Kämpfer auf. In fast allen Zweikämpfen siegen die Berner. Dietrich zögert aus Furcht, gegen Siegfried anzutreten, und muss von Wolfhart und Hildebrand gereizt werden.  Ilsan besiegt noch 52 weitere Gegner, erhält weitere 52 Rosenkränze, die er seinen Mönchsbrüdern bei der Ausfahrt versprochen hatte. Bei den 52 Küssen, die ihm Kriemhild geben muss, zerkratzt sein rauer Bart ihr Gesicht. Gibich muss sein Land von Dietrich zu Lehen nehmen. Die Berner ziehen nach Hause. Ilsan kehrt ins Kloster Münzegenzelle zurück, drückt seinen Mönchsbrüdern die Rosenkränze so aufs Haupt, dass das Blut herunterläuft.

Mönchzeller Kloster?

Nur in der Frankfurter Handschrift (Variante C) wird im Vers 115 vom Kloster in“Münzegenzellen“ oder „Münchegezellen“gesprochen, sonst vom Kloster Ysenburg (Varianten A und D). Der vermutlich aus dem Raum Heidelberg stammende Schreiber muss Mönchzell gekannt haben und spricht von einem Kloster in Mönchzell. Dies spricht für die These, dass es in Mönchzell doch ein Männerkloster gab. Man sieht: Geschichte ist spannend.

Die Geschichte vom Wormser Rosengarten nacherzählt

Kriemhilds Rosengarten

Kriemhilds Herz schlug für tapfere Männer, und nichts liebte sie mehr, als Helden im Kampf auf Leben und Tod miteinander kämpfen zu sehen. Kriemhild war die einzige Tochter des Burgunderkönigs Gibich, der in Worms weithin über das Land herrschte; und die Schwester von drei Brüdern: Gunter, Gernot und Giselher. 15 Jahre alt, schön wie der junge Tag und launisch wie ein Kind, hatte sie sich mit Siegfried von den Niederlanden verlobt, der überschüssige Kräfte genug besaß, um sie an Taten zu verschwenden, wie sie Kriemhild gefielen. Er gewann sich Kriemhild, indem er ein Dutzend Löwen fing, sie mit den Schwänzen zusammenband und über die Burgmauer hängte, zu deren Füßen der Rhein fließt. Lachend hatte sich da das Königskind dem rechtlichen an die Post werfen und sich ihm zum Wein versprochen. Mit der Hochzeit wollte sie freilich noch eine Weile warten.

Kriemhild besaß einen Rosengarten, den sie wie ihren Augapfel hütete, weil sie ahnte, dass Schönheit eine Herausforderung an die Welt und daher ständig bedroht ist, von Neidern zerstört zu werden. Darum spannte sie einen seidenen Faden von roter Farbe um den Garten, der eine Meile lang und eine halbe Meile breit war. Denn nach dem alten deutschen Recht ihrer Zeit galt ein mit einem Faden umwirktes Gebiet als geweihter Ort, der nicht ungestraft betreten werden durfte.

Fern in Tirol besaß auch der Zwergenkönig Laurin einen solchen Rosengarten, und gefährlich und tückisch lauerte er in der  Palasthöhle seines Gebirges auf jeden Eindringling, der mit Vorsatz oder auch nur im Irrtum die Banngrenze überschritt. Wen er dabei ertappte, dem nahm er zur Strafe den rechten Fuß und die linke Hand ab.

Kriemhilds Helden

Kriemhild dünkte ein Mann zu wenig, um ihren Rosengarten zu behüten, also verpflichtete sie 12 Wächter, den geheiligten Platz vor Eindringlingen zu schützen. Die Männer welche sie gewann, waren die berühmtesten Helden weit und breit. Kriemhild pflege zu sagen:

 „Trotz allen Fürsten,   es kommt mir keiner hinein
Die mir des Gartens hüten,   das sind zwölf kühne Degen,
Die pflegen mir der Rosen;   die Helden sind verwegen.
Der erste, das ist mein Vater,   ein König auserkannt;
Gernot und Gunther,  die sind mit Ruhm genannt.
Der vierte heißet Hagen,   der zagt in keiner Not,
Der Fünfte heißet Volker,   der wundet auf den Tod.
Der sechste heißet Pusolt,   der siebente Struthan,
Der achte heißet Ortwin,   der neunte Asprian.
Der zehnte heißet Walther   von dem Wasgenstein,
Der kühnen Fürsten einer   wohl auf und ab am Rhein.
Der elfte heißet Stutfuchs,   der kann auch fechten wohl,
Er gibt in harten Stürmen   den Recken schweren Zoll.
Der zwölfte heißet Siegfried,   ein Held von Niederland,
Der immer stritt nach Ehren   mit seiner freien Hand.
Die starken Recken sollen   der Rosen Hüter sein:
Trotz biet ich allen Helden,   es kommt mir keiner hinein.“

Kriemhilds Plan

Die Recken wachten, aber es zeigte sich kein Feind.  Wer hätte auch mit diesen tapferen Männern streiten wollen? Doch Kriemhild sann darüber nach, wie und wo ihnen ein würdiger Gegner zu finden sei. Nur einen gab‘s, wenn sie es recht überlegte: Dietrich von Bern, den unvergleichlichen Helden, der als König über das Land jenseits der schneebedeckten Berge herrschte. Sie beschloss, Dietrich mit seinen tapfersten Rittern nach Worms zum Kampf auf Leben und Tod inmitten der Schönheit ihrer Rosen einzuladen. Es sollte jeder mit jedem kämpfen, doch es sollte dem Berner König überlassen bleiben, zu bestimmen, wie sich die Paare zusammensetzten. 12 Paare, 12 Einzelkämpfe.

Dem Sieger aus jedem Kampf wollte Kriemhild zum Lohn einen Kranz blühender Rosen und einen Kuss versprechen.

Kriemhilds Bote

So hatte sie es sich ausgeklügelt, nun galt es nur noch, einen zu finden, der den Brief, den sie Dietrich schreiben wollte, an den Hof des jungen Königs nach dem Süden brächte. Viele  Gefahren lauerten unterwegs zwischen den Felswänden und auf Gebirgspfaden und noch größere am Hofe des Berner Königs. Es war nicht vorauszusehen, wie der Botschaft und Brief aufnehmen würde, denn man sprach viel von seinem leicht entflammbaren Zorn und der Kühnheit seiner Helden. Darum wandte sich Kriemhild an die in der Halle des Gibichen-Schlosses um ihren Vater versammelten Ritter und sprach: „Da ich am Rhein keinen Helden finden kann, der mit meinen Männern zu streiten wagt, so will ich Dietrich, den Berner König, mit seiner tapfersten Ritter einladen, den Todesduft meines Gartens zu atmen. Wir ist bereit, mein Angebot nach Bern zu bringen?“

Lange wollte sich niemand melden, und erst, nachdem die Königstochter ihre Frage wiederholt hatte, sprach ein junger Fürst, ein Herzog von Brabant: „An Eures Vaters Hof ist eine Jungfrau, Bersabe geheißen, die liebe ich seit achtJahren. Wenn Ihr dieses schöne Mädchen dazu bewegen könntet, meine Bewerbung anzunehmen, will ich dafür gerne eure Botschaft nach Bern bringen.“

Bersabe weigerte sich zuerst, durch ihre Einwilligung Mitschuld an dem Tod jener tapferen Männer auf sich zu laden, die zum Sterben an den Rhein gerufen werden sollten. Doch von Kriemhild ging eine zwingende Macht aus, die stärker war als die Sanftheit Bersabes. Der Herzog sagte der Königstochter die Fahrt nach Bern zu und übergab Bersabe zum Abschied einen Ring. Er sprach: „Wenn ich auf dem Weg über das Gebirge oder am Hof des Königs ein schreckliches Schicksal erleide, dann mag euch dieser Ring daran erinnern, dass ich mit meinem letzten Atemzug euren Namen gehaucht habe.“

Von so großer Liebe gerührt, erwiderte die edle Besabe: „Behüt‘ euch denn  Gott in allen Landen, durch die ihr zieht, und kehret glücklich wieder!“

Die Fahrt nach Verona

Nun rüstete sich der Herzog zur Fahrt. Sein Gefolge bestand aus 500 kühnen Rittern, und mit ihnen setzt er bei Worms über den Rhein. Vor Heidelberg schlugen sie ihr erstes Nachtquartier auf, und nach 4 Tagen kamen sie zu der alten Stadt Augsburg. Von da zogen sie über die Berge nach Garda, wo sie, den großen See hinter sich lassend, in die Ebene hinaustraten. Bald waren sie der Stadt Bern, dem heutigen Verona, so nahe gekommen, dass sie schon ihre Mauern erkennen konnten. „Nun bindet den Helm fester“, sprach der Herzog zu seinen Rittern.  „Nach allem, was ich von Herrn Dietrich gehört habe, hat uns unsere Herrin Kriemhild wohl in den Tod gesandt.“ Einer seiner Ritter erwiderte verächtlich: „Wenn ihr so zagen Mutes seid, so wärt Ihr lieber doch am Rhein geblieben. Eure Worte sind eines Helden nicht würdig.“

Da verfiel der Herzog ins Prahlen: „Wenn erst der Kampf begonnen hat, sollt ihr sehen, ob ich ein Feigling bin. Ehe ich mein Leben verliere, gedenke ich manche edle Dame des Berner Landes zur Witwe zu machen.“ Und er schlug bei diesen Worten mit seinem Schwert mächtig an seinen Schild. Ein anderer aus seinem Gefolge meinte zu seinem Nachbar: „In jedem Herz nistet Furcht neben Mut. Es wird keine Schlacht und ohne große Worte gewinnen, diese vertreiben die Angstgespenster.“

Ankunft an König Dietrichs Hof

Zu der Stunde, als der Herzog von Brabant mit seinen Leuten in Bern einritt, tafelte König Dietrich mit 1000 seiner Recken. Es ging fröhlich zu in der großen Halle des Palastes, aber es war eine erzwungene Heiterkeit, denn im Grunde waren alle betrübt, weil es schon so lange keinen richtigen Streit mehr gegeben hatte. Die Feinde in der Nähe waren alle besiegt, es zeigte sich niemand, der es gewagt hätte, mit den Bernern einen Kampf anzufangen. Da plötzlich wurde die Ankunft der fremden Boten gemeldet, und jeder hoffte insgeheim, dass sie gekommen seien, um die Berner zu einem Streit heraus zu fordern.

Kriemhilds Herausforderung

Der König befahl die Boten vor sein Angesicht zu führen. Der Herzog von Brabant übergab Dietrich den Brief Kriemhilds. Die Aufregung im Saale wuchs, der König gebot Ruhe und rief nach seinem Kaplan, damit er ihm das Schreiben vorlese. Dieser eilte herbei, und unter atemloser Spannung zerbrach er den Brief und verlas seinen Inhalt: „Ich, Kriemhild, die junge Tochter König Gibichs zu Worms am Rhein, hege einen Rosengarten, eine Meile lang und eine halbe Meile breit. Statt einer Mauer umgürtet ihn ein seidener Faden. 12 Helden hüten den Garten, doch sie warten bisher vergeblich auf einen heldenhaften Frevler, der gewagt hätte, den Faden zu zerreißen. Bisher gelang es mir nicht, für meine Helden einen würdigen Gegner zu finden, so setze ich meine letzte Hoffnung jetzt auf König Dieterich von Bern. Ich forderte ihn auf, mit 12 seiner Recken nach Worms zukommen und sich mit meinen Männern zu messen. Den Siegern winkt als Lohn ein Kranz blühender Rosen und ein Kuss von meinem Mund.“

Sollen die Berner nach Worms zum Turnier?

Als erster Geselle Dietrichs meldete sich der Wolfhart: „Nicht übel, dieses Jungfräulein vom Rhein! Was sie sich nicht alles ausgedacht hat! Mag sie den Teufel küssen, mich gelüstet nach ihren Lippen nicht. Um einen Kuss lasse ich mir nicht den Panzer zerhauen.“

Meister Hildebrand, König Dietrichs Lehrer und ältester Geselle, war anderer Meinung: gerne wär er wieder einmal zu einem Abenteuer ausgezogen, und des Mädchens Kuss mochte er nicht verschmähen.

„Das wird deine Gattin Ute wenig gefallen“, tadelte Wittich, der Sohn Wieland des Schmieds, den alten Meister, „und ich für meinen Teil hoffe, in Bern billiger zu einem Kuss zu kommen, denn nicht nur am Rhein blüht ein Rosenmund!“

„Lass mir nur Ute aus dem Spiel, ihr bring ich ja das Rosenkränzlein mit“, entgegnete Hildebrand.

Nun ergriff endlich König Dieterich von Bern selbst das Wort: „Ich will euch verraten, was hinter der Einladung Kriemhilds steckt. Sie möchte ihren Bräutigam Siegfried durch mich einer Mutprobe unterwerfen. Bald ist es nämlich soweit, dass keine Jungfrau mehr von den Altar tritt, der ich nicht ihren Verlobten geprüft habe, ob er auch tapfer ist.“

„Wenn euch dieser Vorschlag nicht passt, mein König, so will ich allein nach Worms reiten, um Kriemhild den Gefallen zu erweisen“, rief Hildebrand. „Ich lasse mich von keiner Frau vergeblich bitten, und sei der Wunsch noch so verwegen und die Damen meinem Herzen fremd!“

Die 12 Berner Helden

Dietrich nahm sich den Tadel zu Herzen und lenkte ein: „Nun, so mag Kriemhild ihren Willen haben. Ich leg‘s in deinen Rat, Hildebrand, wer uns auf der Fahrt begleiten soll. Zwölf Helden müssen es sein, 10 fehlen uns also noch.“

„Ich denke, Wolfhart, wird sich nicht weigern, wenn wir ihn herzlich bitten“, entgegnete Meister Hildebrand. „Mit Wolfhart haben wir zugleich seinen Bruder Alphart gewonnen, die beiden sind unzertrennlich. Ferner dürfen wir auf Wittich und Heime zählen – Schnelligkeit ist des einen, Stärke des anderen größte Tugend. Weiterhin nenn ich Siegstab, Eckart und Helmschrot. Und wie von Gott gesandt kam Hartung, der König der Reussen, gerade jetzt an den Berner Hof. Er wird die Ehre zu schätzen wissen, der zehnte zu sein. In der Steiermark in einem Schloss auf hohem Waldberg sitzt Dietleib, der seinen Vater suchte und ihn nach Abenteuern ohnegleichen im Dienste des Hunnennkönigs Etzel wiederfand“, wusste Hildebrand zu berichten, „er ist der Rechte für uns.“

Mönch Ilsan aus dem Kloster Mönchzell

„ Meister Hildebrand“, sprach König Dieterich, „ich nehme deinen Vorschlag an; die 10 Männer sind mir willkommen. Mit mir zusammen sind es aber erst elf. Noch ein Held fehlt uns, wer soll der sein?“

„Dann hole ich meinen Bruder Ilsan aus dem Kloster Mönchzell. Seite 20 Jahren ergibt er sich dort dem Gott geweihten Leben, aber seid versichert, König, sein Schwertarm erlahmte auch in der Mönchskutte nicht.“

„Nun hätten wir elf Ritter   beherzt und tugendlich;
Wo nehmen wir den zwölften?“,   so sprach Herr Dieterich.
„Darum sollt ihr nicht sorgen,“   sprach Meister Hildebrand,
Er ist noch heut und morgen   wo ich ihn weiland fand.
Wann denkt ihr zu erlösen   den Mönch Ilsan?
Den nehm ich aus dem Kloster,   wenn ich es fügen kann.“
Da sprach der Held von Berne:   „Das machst du nimmer wahr:
Nun war er in der Kutte   wohl über zwanzig Jahr.
Soll ich ihn dem entführen,   dem er sich hat ergeben?
Ich hätt es immer Sünde,   nähm ich ihn aus dem Leben.“
„Wisst ihr nicht, lieber Herre,   was der Mönch euch schwur,
Als ihr ihm erlaubtet,   dass er ins Kloster fuhr?
Er gelobt‘ euch eine Reise   und schwur euch einen Eid,
Wann ihr immer wolltet,   so wär er euch bereit.“
Da sprach der Held von Berne:   „Lasst uns ihn holen gehn.

In Wien

König Dietrich begrüßte den Hinweis Hildebrandts auf den Jungen Dietleib, gab aber auch zu bedenken, dass der Held nicht zu seinem Kreis gehöre und es nicht leicht sein werde, ihn für die Fahrt nach Worms zu gewinnen. „Aber wir wollen den Versuch wagen“, fügte der König hinzu. Siegstab erbot sich zur Reise in die Steiermark und brach sogleich auf. Doch auf der Burg im Waldgebirge traf er nur Dietleibs Vater Biterolf an. Der zweifelte, ob sein Sohn für die albernen Launen einer jungen Frau sein Leben aufs Spiel setzen werde, doch verriet er, dass Dietleib in Bechelarn  auf dem Schloss des Markgrafen Rüdiger anzutreffen sei. Unverzüglich begab sich Siegstab an die Donau. Auf hohem Fels über dem Strom erhob sich die Burg, ihr herrlicher Anblick stimmte den Helden froh und heiter. Aber schnell verdüsterte sich sein Gemüt wieder, als er erfuhr, dass er sich weiter nach Siebenbürgen bemühen müsse, um den Gesuchten zu finden. Das bedeutete, ein paar Wochen länger im Sattel zu sitzen. Nach einer kurzen Rast bei dem freundlichen Markgrafen machte sich Siegstab  wieder auf die Reise; der Weg führte ihn über Wien.

Nun war zu dieser Zeit in Wien mit der Errichtung eines Domes begonnen worden, ein Teil des Baus war auch schon eingedeckt und geweiht. Als Siegstab bei der Kirche eintraf, fand er eine große Menschenmenge davor  versammelt. Es wurde ihm bedeutet, dass dies nichts Außergewöhnliches sei, immer seien hier Scharen von Andächtigen und Wundergläubigen anzutreffen.

Da geschah etwas, dass auch Siegstab nahezu als ein Wunder erschien. Er fand in der Menge seinen alten Gefährten Dietleib, der in den Mauern des Domes Erbauung und Trost gesucht hatte. So war er der Reise nach Siebenbürgen nun glücklich enthoben. Die Freunde umarmten einander, und Siegstab rückte mit seinem Anliegen heraus. Er verschwieg nicht, dass es Biterolf und Markgraf Rüdiger verurteilten, die Launen eines verwöhnten Königskindes mit einem Kampf auf Leben und Tod zu befriedigen. Dietleib zuckte die Achseln und meinte, sehr viele Kriege würden um einen nichtswürdigeren Preis geführt, und die Launen einer Frau seien ein so guter oder schlechter Anlass wie jeder andere.

„So wie du, mein Freund, denkt auch mein König Dietrich“, erwiderte Siegstarb, „sonst wäre er dem Ruf zum Streit im Rosengarten nicht gefolgt.“

Die beiden Helden ritten zusammen nach Bern. Dietrich, der von ihrem Nahen Kunde erhalten hatte, ritt ihnen bis an den Gardasee entgegen. So ehrte der König den Helden Dietleib, von dem er schon so viel gehört und den er noch nie gesehen hatte.

 

In Mönchzell

Nun fehlte nur noch der Mönch Islan, Meister Hildebrands Bruder, in der Zahl der Helden, die für die Reise an den Rhein aufgeboten wurden. König Dietrich und Meister Hildebrandt begaben sich in Begleitung einer großen Anzahl von Reitern zu dem Kloster Münzegenzelle (=Mönchzell), in dem Islam nun schon seit 20 Jahren dem Dienste Gottes lebte.

Noch hatten sie niht alle die zwolfe uz erkorn.
„Wie brengen wir uz dem kloster den monch wol geborn?“
Do zogte der faut von Berne mit zehen dusent man
vil balde gein Munzegenzellen uf einen grünen plan. 

Volker_Islan2

Dass Ilsan auch in der Klosterzelle der alte geblieben war, sollten die Berner gleich bei ihrer Ankunft in Mönchzell und nicht ohne einige Überraschung erfahren.

Bei einem zufälligen Blick aus seiner Zelle sah Bruder Ilsan  die Männer auf einer Wiese lagern. Da er sich einbildete, Feinde seien gekommen, um zu plündern und zu rauben, stürzte er in den Klosterhof hinunter, wo er seine Mitbrüder bei friedlicher Morgenarbeit antraf. Mit allen Anzeichen höchster Aufregung erzählte er ihnen von seinen Beobachtungen und verlangte, dass sie ihm sofort seine Rüstung anlegen sollten. Vergeblich versuchten ihn die Mönche seine Befürchtungen auszureden. „Ihr denkt, ich suche wider Streit, aber ich versichere euch, dass ich aller Kampfeslust entsagt habe“, beteuerte Islan. „Kriegerisches Raubgesindel ist es, dass mich zwingt, nach 20 Jahren stillen Klosterlebens wieder ein Schwert zur Hand zu nehmen.“

Ilsans Beteuerung seiner Friedfertigkeit entlockte den frommen Brüdern ein tiefes Seufzen, weil sie daran dachten, wie oft sie in Ermangelung von Feinden recht ungestüm von ihm behandelt worden waren. Sie holten Rüstung und Waffen und reinigten sie von Staub und Spinnweben, die die Jahre des Friedens über sie gelegt hatten. Dann legten sie ihm den Brustpanzer und die Beinschienen gleich über die Mönchskutte.

Nun schwang sich Ilsan auf sein Pferd, und wie ein Blitz schoss er aus dem Klostertor hinaus und dem vermeintlichen Feind entgegen. Der König sah ihn schon von weitem einher sprengen und meinte, der Mönchzeller Abt habe einen Mönch zu seiner Begrüßung ausgesandt. Er beauftragte Meister Hildebrand, den frommen Bruder entgegen zu reiten. Ilsan freute sich, so schnell einen Gegner gefunden zu haben, legte die Lanze noch fester ein und stürmte auf Hildebrand. Aber dieser hatte an der ungestümen Art des Reiters bald seinen Bruder erkannt, wich dessen Stoß geschickt aus und entpuppte dann sein Haupt: „Wie schön, dass wir uns wieder sehen!“.

Ilsan polterte enttäuscht: „Was, zum Teufel, hast du hier zu suchen?“

„Wir suchen noch einen Mann für ein hartes Turnier im Rosengarten zu Worms“, erwiderte Hildebrand. „Krimhilde bietet einen Rosenkränzlein und einen Kuss als Siegeslohn. König Dietrich lässt dich bitten, uns zu begleiten.“

Ilsan fühlte sich von dem Angebot geschmeichelt, spielte aber erst einmal noch den Grobian: „Ei, da sieht man, was für ein alter Narr Du geworden bist, Hildebrand. Von dem launischen Einfall einer törichten Jungfrau lässt du dich an den Rhein locken, statt endlich an dem Herd deiner Frau Ute der verdienten Ruhe zu pflegen.“ Nun erschien aber auch der Abt auf dem Schauplatz, und die Aussicht, den ungestümen Bruder Ilsan für eine Zeit lang los zu sein, erfüllte ihn mit heimlicher Freude. Sehr ernst sagte er erst: „Es ist nicht die Aufgabe der Mönche, zu streiten und zu fechten.“ Und dann fügte er mit verschmitztem Lächeln hinzu: „Lieber Bruder Ilsan, wenn ihr mir versprecht, einen Rosenkranz von der Fahrt hierher nach Mönchzell mitzubringen, will ich sie euch wohl gestatten und indessen hier für eure Sünden beten.“

Sobald Dietrich und Hildebrand mit ihrem neuen Helden, dem streitbaren Mönch, davon gezogen waren, stimmten seine Mitbrüder einander zu: „Wie froh sind wir, ihn einige Zeit nicht in Mönchzell zu sehen. Wie oft hatte er uns mit seinen starken Fäusten den Rücken verbläut.“

 

Ilsan bezwingt den Fährmann vom Rhein

Nachdem nun die Mannschaft für Worms vollzählig versammelt war, wurde das Horn geblasen, und fort ging es dem Rhein zu. Die Stelle, an der sie den Strom zu übersetzen gedachten, gehörte aber zum Bereich eines grimmigen Fährmanns. „Ich kenne ihn schon lange“, wusste Meister Hildebrand zu berichten, „für gewöhnlich nimmt er von seinen Gästen eine Hand und einen Fuß als Fährlohn, manchmal macht er es auch billiger. Ich werde ihn fragen, was er begehrt.“

König Dietrich meinte, besser wäre es, dem groben Fergen die 12 gezückten Schwerter der Helden zu zeigen, da werde ihr dann seinen Kahn auch ohne Lohn flott machen. Von einer milderen Seite wollte sich einmal der Mönch zeigen, und er erbot sich, als Friedensstifter aufzutreten. „Ich werde mit dem Fährmann reden“, meinte er, „der wird mich an meinem Bart als Mönch erkennen. Dem Gottesmann wird er auch für Gotteslohn zu Dienste sein.“

Da sprach der starke Ilsan:   „So will ich Bote sein
Zu dem langen Riesen   bei Wormes an dem Rhein.
Er wähnt, ich sei ein Bruder,“   sprach der Mönch Ilsan,
„Wenn meinen Bart er siehet   derselbe große Mann.“

Der Vorschlag fand allgemeinen Beifall, und Ilsan winkte den Fergen vom anderen Ufer herüber und stieg in den Kahn. Ein wenig seltsam war ihm zu Mute, als er sich dem riesigen Menschen gegenüber sah. Dieser hatte heute seinen ganz „teuren“ Tag. „Dein Bart deutet auf einen Mönch, deine Rüstung auf einen Ritter“, herrschte er Ilsan an, aber nur eines von den beiden kannst du sein, und mit einem Zeichen lügst du! Dafür sollst Du bestraft werden!“ Sogleich erhob er ein Ruder, um es auf Ilsan sausen zu lassen. Mit geschicktem Sprung wich der streitbare Mönch aus, und eine Faust landete im Gesicht des Fährmanns. Dieser taumelte und stürzte zu Boden. Als er sich wieder aufrichtete, konnte er nicht umhin, den Gegner seine Hochachtung auszudrücken: „Den Ritter, meiner Treu, habt Ihr nicht erlogen. Solche Hiebe habe ich nicht mehr einstecken müssen, seit ich ein siebenjähriges Kind war.“

Der Mönch gab dem Fergen   einen ungefügen Stoß,
Dass er im Schiff sich streckte   so lang er war und groß.
„Nomine domine Amen,“   sprach er da zuhand,
„Kein solcher starker Teufel   ward mir noch je bekannt.
In Stürmen und in Streiten   ward ich nie zu Fall gebracht:
Nun hat er mich bezwungen   so gar mit seiner Macht,
Als zählt‘ ich sieben Jahre   und wär ein kleiner Wicht.“
Da sprach der Bruder Ilsan:   „Dein Wehren hilft dir nicht.

„Dann gehorche  auch wie ein siebenjähriges Kind und bringe uns alle über den Strom“, forderte Ilsan, und der Fährmann beeilte sich, dem Wunsch nachzukommen.

 

 

(Fortsetzung folgt)

Literatur:

Georg Holz, Die Geschichte des Rosengartens zu Worms

 

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